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Im zweiten Teil meiner Führung über die Skulptur Projekte 2017 geht es wie versprochen per Fahrrad durch die Stadt. Das ist ja ohnehin die natürlichste alle Fortbewegungsmöglichkeiten in Münster, also auch naheliegend.

Die Tour dauert vermutlich auch den halben Tag, also Zeit mitbringen! Wie schon beim Fußweg, so geht es auch in diesem Fall nicht um Vollständigkeit bei der Aufzählung der künstlerischen Positionen, genauso, wie es ja in meinen Texten auch nicht um einen kunsthistorischen Abriss geht. So werden auch hier einige Arbeiten fehlen (Wyn Evans, Huyghe, Tuazon etwa). Das hat unterschiedliche Gründe und ist ebenso subjektive Entscheidung, wie die Texte subjektive Sicht sind. Gegen meine bisherige Position, nur über Dinge zu schreiben, die mir gefallen, habe ich in die Tour eine Arbeit aufgenommen, die mir bis jetzt fremd geblieben ist. Vielleicht kommen wir ja darüber noch einmal ins Gespräch?

Wie schon zur Fußtour, so empfehle ich auch hier, den Katalog der Skulptur Projekte als Begleiter zur Hand zu haben. So wie die Kunst, die wir betrachten, sind die Texte vielleicht nicht immer ohne weiteres zugänglich, aber die Auseinandersetzung mit ihnen halte ich als Ergänzung und Erweiterung individueller Erfahrungen für unumgänglich.

Ich wünsche viel Vergnügen auf der Tour!

Wir starten mit der Fahrradtour wieder am Westfälischen Kunstverein, gleich neben dem Infopoint der Skulptur Projekte, an dem man sich sinnvollerweise mit einem Plan und zahlreichen Merchandisingartikeln eindeckt und stehen schon vor der ersten Position.

 

Wer?

Cosima von Bonin / Tom Burr

Was?

Benz Bonin Burr

Wie?

Wie viel Kunst erträgt die Stadt? Münster ist in diesem Jahr bereits zum fünften Mal Austragungsort der Skulptur Projekte, und aus jeder dieser Ausgaben sind Arbeiten im Stadtraum verblieben. Sie belegen Plätze und Wiesen, stehen vor Gebäuden oder hängen an ihnen, sie sind zu Ikonen des Stadtmarketing geworden oder verstecken sich in weitgehend unbekannten Ecken.

Vor dem Westfälischen Kunstverein stehen zwei Skulpturen, die allerdings nicht aus Anlass der Grossausstellung entstanden sind: Henry Moores ‚The Archer‘ von 1964/65 (eine Leihgabe der Neuen Nationalgalerie) und Ulrich Rückriems ‚Granit (Normandie), gespalten, geschnitten, geschliffen‘ von 1985 (im Besitz des Westfälischen Kunstvereins). An der Fassade des Landesmuseums befindet sich dazu noch die ‚Silberne Frequenz‘ von Otto Piene (immer noch mit LWL-Branding). Viel los auf so kleinem Raum. Und nun stellen Cosima von Bonin und Tom Burr auch noch einen Tieflader davor, darauf eine große, leicht geöffnete Holzkiste mit der Aufschrift FRAGILE. Das darf man sicher als provokant bezeichnen, nicht nur, weil LKW im Stadtraum inzwischen eher einen traurigen Ruf haben, sondern hier vor allem deshalb, weil zumindest die Statue von Henry Moore damit klar aus dem Fokus des Platzes rückt, nicht mehr ohne den Laster und die Kiste fotografierbar ist, und quasi zum Abtransport bestimmt scheint. Bis dahin wird es aber 2019, und bis dann sind Besucher und LKW längst aus dem Stadtbild verschwunden.

Wo?

https://goo.gl/maps/LJdswDMqyyD2

 

Nun folgen wir der Aegidiistraße Richtung Aasee und dann weiter über Adenauer- und Himmelreichallee zum Gebäude der LBS.

Der Eingang zur nächsten Arbeit befindet sich von hier aus auf der Rückseite des Gebäudes.

 

Wer?

Hito Steyerl

Was?

HellYeahWeFuckDie

Wie?

Beton, Neon, Stahl, Robotik, Geld, Schutz, Heimat, Zuhause, Gemeinschaft, Leben, Tod. Wie ein Kreislauf (vielleicht ein Teufelskreis) bewegt sich die Erzählung von Hito Steyerls Arbeit im Gebäude der LBS. Wenn die titelgebenden Begriffe tatsächlich die meist gebrauchten Wörter in der englischsprachigen Musik der letzten zehn Jahre sind, dann ist das ja vielleicht auch schon ein Hinweis auf die Apokalypse, oder, um nicht ganz so pessimistisch zu klingen: auf die endgültige, weil selbstverschuldete Trennung des Menschen von seinem Gefühl für den eigenen Körper? Wir lehren Roboter das Nicht-fallen und vergessen dabei unsere Schutzbedürftigkeit. Hito Steyerl verwendet für ihre Arbeit Materialien, die in ihrer Klarheit und Kühle – seien es die Betonelemente, das kalte Licht, die Röhrenelemente oder Flatscreens –abweisende und doch alltägliche Resonanzflächen sind, Produkte unserer Zeit, Ausdruck unserer vermeintlichen Sicherheit im Fortschritt. Sicher, eine Arbeit, die in vielen Städten – zumindest in unserer Konsum- und Geschwindigkeitsgesellschaft – Berechtigung hätte. In einer Bausparkasse, also einem Ort, der unsere Wünsche nach Schutz, Heim und Heimat begleitet und im besten Fall unterstützt, finde ich sie aber besonders treffend verortet. Ausserdem – und das ist ein entscheidender Punkt für die Geschichte der Skulptur Projekte – war dieser Ort die Wirkungsstätte von Ludwig Poullain, der hier als Chef der ehemaligen WestLB nicht zuletzt auch den Ankauf der Skulptur von George Rickey tätigte, und damit einiges ins Rollen brachte…

Wo?

https://goo.gl/maps/7KJYL5ZV4bM2

Im Park hinter der LBS befand sich früher der Zoo. Es gibt noch ein paar Gebäudereste, die daran erinnern, ansonsten ist aber nur noch die versteckt in einer Ecke des Parks gelegene Tuckesburg, das ehemalige Wohnhaus des Zoogründers Hermann Landois, Zeugnis dieser Zeit. Auf dem ehemaligen Zoogelände, auf einem kleinen Kiesplatz, findet sich die nächste Arbeit.

 

Wer?

Thomas Schütte

Was?

Nuclear Temple

Wie?

Wohin könne wir uns retten, wenn alles zu Ende geht? In Sichtweite zu Hito Steyerls Arbeit in der LBS steht Thomas Schüttes ‚Nuclear Temple‘ und bietet in Form und Titel gleich mehrere Deutungsmöglichkeiten: Einerseits scheint der Titel auf einen Weiheort, eben einen Tempel für die Errungenschaften des Atomzeitalters zu deuten, und der Kuppelbau auch architektonisch etwa auf ein Atomkraftwerk zu verweisen. Andererseits wirkt die Skulptur in ihrer stählernen Robustheit aber auch wie ein Schutzraum, der letzte Zufluchtsort und Rettungspunkt, wenn die Atomgeister, die wir riefen, sich auf uns stürzen. Dann aber ist jeder Weg herein nur denen vorbehalten, die auch keine Verantwortung tragen, den jüngsten und unschuldigsten Menschen, den Kindern. Der ‚Nuclear Temple‘ von Thomas Schütte hat Patina angesetzt und er ist ein Modell. Es ist vielleicht schon zu spät für einen Ausweg und vielleicht ist uns das auch bewusst. Allemal ist dieser Ort, egal wie groß oder klein wir sind, zu klein, um uns alle zu retten. Vielleicht ist er aber ja auch nur eine naive und doch eindrucksvolle Warnung. Vielleicht sollten wir es nicht dazu kommen lassen, solche Tempel bauen zu müssen.

Wo?

https://goo.gl/maps/EmZWHKsKLin

Weiter geht es über die Promenade Richtung Schlossplatz, und dort zur Unterführung, die diesen Platz und das Hörsaalgebäude auf der anderen Straßenseite verbindet.

 

Wer?

Aram Bartholl

Was?

12V, 5V, 3V (hier: 3V)

Wie?

Hier sind wir in einem Tunnel. Hat jemand Handyempfang? Was, wenn der Strom ausfällt, wenn das Internet streikt, wenn uns Kommunikationsdunkelheit umhüllt? Es ist schon verrückt, wie schnell wir den Fortschritt als Staus Quo sehen, und im Blick ins Immer-weiter-immer-schneller-Vorwärts in einen Abhängigkeitsstrudel geraten. Hier im Tunnel erzeugen Teelichte mit ihrem heissen Licht und mithilfe von Thermogeneratoren Strom für das kalte Licht der LED-Kronleuchter-Lampen. Ein Kreislauf entsteht, der ständiger Aufmerksamkeit bedarf. Nur solange wir in der Lage sind Feuer zu machen, diesen Evolutionsschritt zu beherrschen und auszuführen, wird hier Licht sein. Das ist ein ganz direkt erfahrbares Zurückgeworfensein, eine Mahnung und Warnung gegen Hörigkeit und Vergessen. An der Station am Pumpenhaus kann man über Lagerfeuer seine Handys laden und am Funkturm ermöglicht Feuer den Betrieb eines Routers. So sorgt die domestizierte Form eines zerstörerischen wie schöpferischen Naturereignisses für unser Überleben in der Post-Apokalypse.

Wo?

https://goo.gl/maps/J6JyyPARUtp

Über die Promenade geht es weiter, vorbei am Schloß, über die Bundesstraße, der Promenade folgend bis zu einer Arbeit, die ich schon für den Fußweg beschrieben habe.

 

Wer?

Nicole Eisenman

Was?

Sketch for a fountain

Wie?

Nicole Eisenman hat sich einen besonderen Platz auf der Promenade für Ihre Brunnenskulptur ausgesucht. Am Rande einer schwulen Cruisingarea gelegen, spielt sie mit ihren nackten aber geschlechtsunspezifischen Figuren aus Bronze oder Gips auch auf Rollenvorstellungen und -klischees der Gesellschaft an, ähnlich, wie auch unsere Vorstellung von Brunnenfiguren aus Erfahrung und Tradition mit bestimmten Rollen und Aufgaben verbunden sind. Die heroische Statue der klassischen Brunnen wird hier zum sexuellen und nicht wirklich definierbaren Körper als Abbild vieler Vorstellungen möglicher Körper. Dieser Brunnen steht damit einerseits in der Tradition vieler klasssicher Brunnen, die inzwischen auch jenseits ihrer Geschichte eher als Ort der Erfrischung gesehen werden und lädt andererseits an diesem Ort geradezu dazu ein, ihn als Ort der Interaktion wahrzunehmen. Eisenman gibt nicht nur der Institution ‚Brunnen‘ ihre wohlverdiente Leichtigkeit und tatsächliche Zugänglichkeit zurück, sie eröffnet damit vor allem gleichzeitig ganz hintergründig und mit Humor eine Diskussion zu Sexualität, Geschlecht und Identität. Eine meiner Lieblingsarbeiten und einer meiner Lieblingsorte der Skulptur Projekte in dieser Ausgabe.

P.S.: Was in der Zwischenzeit geschah… 

Wo?

https://goo.gl/maps/HpJxdXxUrht

Und auch am nächsten Stopp waren wir schon auf dem Fußweg. Aber er liegt so günstig auf der Fahrradroute, dass ich ihn noch einmal aufgenommen habe. Ausserdem gefällt sie mir ausgesprochen gut, und das reicht ja auch als Kriterium. Dafür folgen wir der Promenade zunächst bis zum Zwinger und biegen dort links in den Weg zur Gartenstraße ein, auf der wir uns dann kurz links halten.

 

Wer?

Mika Rottenberg

Was?

Cosmic generator

Wie?

Ein ganz und gar ungewöhnlich gewöhnlicher Ort ist dieser Asia Markt. Schon beim Eintreten scheint er wie ein Portal in eine andere, aber irgendwie auch vertraute Welt. Nur noch vereinzelt erinnern klischeehafte Utensilien in den Regalen und Auslagen an die vermeintlich ehemalige Bestimmung und Nutzung. Hier wird wohl eher schon länger nichts mehr verkauft, allerdings wert darauf gelegt, dass in allen Versatzstücken die ursprüngliche – oder gedachte – Nutzung offenbar wird. Nachdem man einige Räume des Ladens durchquert hat, erwartet einen in einem Hinterzimmer die zugehörige  Videoarbeit von Mika Rottenberg, die skurril, überzeichnet und in einem ebenso fiktiven Setting von den Handelswegen erzählen, die Menschen zueinander in Abhängigkeit bringen, Kulturen, Länder und Grenzen überschreitend. Dieses Video, dieser Raum, erscheint wie der Einstieg in das Tunnelsystem, dass Handelsorte auf der Welt miteinander verbindet. Das Leiden und die Abhängigkeit des Individuums, sein Stress und seine Müdigkeit, die drohende Überhitzung eines sich selbst mit den Mitteln der Ausbeutung erhaltenden Organismus, werden offensichtlich. Ein wunderbares Ready-made, vor allem, weil es die Erfahrbarkeit erhält, und nicht in die langweilende Kunsttheorie abdriftet, die einem so oft so viel verleidet.

Wo?

https://goo.gl/maps/a1jbqhQoJUG2

Zeit für eine Pause!

Auf dem Weg zum nächsten Werk bietet sich hier wieder eine Zwischenstation in der Pension Schmidt an. Hier gibt es leckeren Kuchen und Quiche und vielleicht auch schon ein Bier? Ich empfehle die Bestellung eines ‚Schwichti‘. Lasst euch überraschen….

Frisch gestärkt geht es die Warendorfer Straße runter bis zur Kreuzung Hohenzollernring. Dem nach rechts folgen bis zur Manfred-Von-Richthofen-Straße, die bald links abgeht. An der nächsten Kreuzung ist das Ziel erreicht.

 

Wer?

Christian Odzuck

Was?

OFF OFD

Wie?

Was einmal war, ist nicht mehr. So mancher Ort wird im wörtlichen und ursprünglichen Sinne zur Utopie erst durch den Verlust. Christian Odzuck wird nicht sentimental, gar traurig, wenn er die Fehlstellen sieht, die er auf seinen Erkundungen des Raums als Abwesenheit antrifft. Er sieht die Chance zur erneuten Vergegenwärtigung, zu einer Art Wiederaufbau aus der und in die Erinnerung. ‚Object File Format (.off) files are used to represent the geometry of a model by specifying the polygons of the model’s surface. The polygons can have any number of vertices.‘ Aus Erinnerung und Versatzstücken der Vergangenheit entsteht im virtuellen Raum, am Computer und mit den Programmen, die Architektur planen und sichtbar machen, eine neue Form, und hier schließlich ihr lebendiges, berührendes Produkt. Die Erinnerung wird zu einem Ort der Erinnerungsstücke. Formen, Flächen, Materialien, Oberflächen, bilden eine Nukleus all dieser Erfahrungen und setzen sich zu ‚OFF OFD‘ zusammen, einer konzentrierten Architektur einer vergangenen Oberfinanzdirektion, inklusive Aussicht auf Verlust und Erneuerung, quasi einer Dachterrassensicht auf eine Baustelle der Stadtplanung. Christian Odzuck dokumentiert all seine Arbeiten, die Ideen, die Umsetzung, den Prozess, in Büchern, die ihn und uns wie Tagebücher führen. Das Buch gibt es zum Beispiel hier, und auch seine Internetseite ist einen Besuch wert.

Wo?

https://goo.gl/maps/hPp18P8gynq

Zurück auf dem Hohenzollernring in der gewohnten Richtung erreichen wir bald links den Hafen. Am Besten vor der Watusi-Bar abbiegen, nächste links und dann rechts zum Hafenbecken.

 

Wer?

Ayse Erkmen

Was?

On Water

Wie?

Ein Steg ist ein Steg ist ein Steg… Manchmal darf Kunst auch einfach nur Spaß machen. Und die Abkühlung tut auch gut. Man sollte aber Badelatschen tragen, man läuft nämlich nicht wirklich über Wasser, sondern über Gitterroste. Vielleicht läuft es ja darauf hinaus: Schmerzen soll der erfahren, der sich anmaßt über Wasser gehen zu können. Sicher ein sehr plakatives, aber eben auch ein sehr schwieriges Projekt, das meiner Meinung nach seiner inhaltlichen Aufladung nicht standhält. Aber wer weiss, vielleicht muss es das auch gar nicht. So ist das ja manchmal mit der Gegenwartskunst: wo Sinnlichkeit und Erfahrbarkeit eine Kunstwerk in die Nähe der Beliebigkeit rücken, helfen nur tiefgründige Texte und komplexe Intentionsentwürfe, um die Kunstkarawane zufriedenzustellen. Wir können darüber diskutieren, ob hier Stadtentwicklung mit einer sinnlich erfahrbaren Brücke verbunden wird, ob hier christliche Symbolik manifest wird, ob hier eventisiert wird, oder was noch?

Wo?

https://goo.gl/maps/1Yo7bM4PiaM2

Von hier sind es nur ein paar Meter bis zu einem Intermezzo, das ich jedem nur ans Herz legen kann!

 

FB-Profilbild-1

Wer?

Die Künstlerinnen und Künstler im Atelierhaus Speicher II am Hafen

Was?

ShowRoom 4.1

Wie?

Das Atelierhaus am Hafen ist ein großartiges Zentrum der Kunst, der Kreativität und der Lebendigkeit. Während Münster in diesem Sommer von kunstinteressierten Menschen aus aller Welt besucht wird, ermöglichen die Künstlerinnen und Künstler im ShowRoom 4.1 einen Blick auf Vielfalt und Stärke dieses Kreativzentrums im Stadthafen und auf ihre Arbeiten. 16 Positionen aus Malerei, Skulptur, Installation, Architektur und Fotografie, 16 unterschiedliche Arbeiten, Gedanken, Geschichten. Und dazu 16 Portfolios, in denen jeder Künstler sich und seine Arbeit vorstellt. Bei einem Kaffe und bei guten Gesprächen lässt sich hervorragend und anregend abschalten. Vom Balkon kann man den Trubel im Hafen und die Menschen auf dem Steg von Ayse Erkmen beobachten, und gewinnt so den nötigen Anbstand für neue Eindrücke, hier und auf der weiteren Tour durch den Kunstrubel Münsters.

Im Dachgeschoss des Hauses befindet sich übrigens die Kunsthalle. Über die Ausstellung ‚Wu Tsang – Devotional Document (Part 2)‘ habe ich hier etwas geschrieben.

Wo?

https://goo.gl/maps/S3mAo4TBkj72

Zurück geht es zur Kreuzung an der Watusi-Bar, dort links auf den Hansaring (am besten gleich auf dieser, ‚falschen‘ Seite bleiben) Nach wenigen Metern steht ihr vor dem Schaufenster der nächsten Arbeit.

 

Wer?

Michael Smith

Was?

Not Quit Underground

Wie?

Ich kann mit Tätowierungen nichts anfangen. Nein, stimmt nicht! Ich kann mit Tätowierungen, die mir nicht gefallen nichts anfangen. Nein, stimmt nicht! Ich verstehe viele Tätowierungen nicht. Warum machen Leute das? Irgendeinen Sinnspruch, das Abbild des Kindes, einen Adler, ein Geweih, einen Totenkopf… Ich frage die Leute ja nie. Also, wie sollte ich verstehen, warum sie das machen. Woher kommt eigentlich dieser Wunsch nach ewigem Köperschmuck? Ich glaube ja, das hat viel mit Entschleunigung zu tun. Vielleicht ist das eine Erfahrung des Alters und vielleicht bekommen Menschen ab 65 darum im Tattoo-Studio von Michael Smith einen Discount. Diese Arbeit verbindet nicht nur Generationen, sondern auch Menschen über die Möglichkeit, Erfahrungen im wahrsten Sinne körperlich zu teilen. Für alle zukünftigen Skulptur Projekte, für alle Lebenszeit, die bleibt, ist etwas fest mit uns verbunden, eine Erinnerung an jedem Tag, für alle Tage. Das ist irgendwie schön und traurig zugleich, aber so ist ja auch das Leben. Ich habe mir ein kleines Tattoo stechen lassen, eine winzige und witzige Zeichnung von Nicole Eisenman. Sie sieht aus wie ein Smiley und heisst ‚2 guys in a boat‘. Eine wunderbare Erinnerung.

Wo?

https://goo.gl/maps/iZyQnkNfC3U2

Jetzt besser auf die andere Straßenseite wechseln und dann dem Hansaring und der Hafenstraße bis zum Ludgeriplatz folgen. Rechts hinter den Bushaltestellen erblickt ihr schon die nächste Skulptur.

 

Wer?

Lara Favaretto

Was?

Momentary Monument

Wie?

Denkmäler sind immer auch Zeitkapseln. In ihnen wohnt die Erinnerung, sie sind manchmal der letzte Ort von Präsenz. Und viele von ihnen sind uns heute nur noch Stein und Fragezeichen. Wir wissen nicht mehr um die Ereignisse, die zu ihrer Errichtung führten, ihre Schwere hat sie im Fortlauf der Geschichte zum Stillstand gebracht. Manchmal rücken sie vielleicht noch einmal in den Fokus: dann geht es um Namen, um Schuld, um Verantwortung, und Dinge, Themen, Personen, die wir anders beurteilen als unsere Vorväter. Häufig geht es um Kriege, um Helden, um Opfer. Jedes Denkmal sollte uns heute neben der Frage nach dem Wozu auch die Frage nach dem Warum stellen. Wir sind für unsere Gegenwart als Anfang einer Zukunft die nicht unsere ist verantwortlich. Es lohnt sich, alte Vorstellungen zu hinterfragen, Denkmäler wahrhaft zu zerstören, um aus ihren Trümmern vielleicht den Nutzen zu ziehen, den sie sonst nur verbergen. Lara Favaretto lädt dazu ein, den ersten Schritt zu tun. Das Denkmal wird zur Schatztruhe einer unbekannten Zukunft, und es wir am Ende preisgeben, was es noch wert ist, indem es zerstört wird. Übrigens auch vor dem Rathaus in Marl. Münzen und Scheine können helfen!

Wo?

https://goo.gl/maps/BfMG7vj5FkC2

Ist es schon Abend? Oder setzt vielleicht zumindest schon die Dämmerung ein? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Abstecher zur nächsten Arbeit. Die liegt nicht wirklich auf einer Rundtour, aber muss sein. Also erst einmal die Promenade Richtung Aasee fahren und schließlich den Aasee linksseitig entlang und der Bismarckallee und schließlich der Mecklenbecker Straße bis zur Zufahrt zu Haus Kump folgen.

 

Wer?

Ei Arakawa

Was?

Harsh Citation, Harsh Patroral, Harsh Münster

Wie?

Es ist zwar eine Binsenweisheit, aber darum ja nicht weniger wahr: alles lebt erst durch seinen Kontrast. Manchmal muss man eben die Stadt verlassen, um die Stadt zu erleben. Manchmal muss man zuhören, um etwas zu sehen, manchmal braucht es Dunkelheit für das richtige Licht und manchmal ist nur der Himmel die Grenze. Ei Arakawas LED-Malereien (nicht mein Begriff, ich leihe mir den aus dem Katalog, weil er mir so sehr passend scheint) entführen in die offene Landschaft, vermeintliche Unberührtheit und doch natürlich Kulturraum, geprägt und designt von Menschen nach ihren Vorstellungen. Und mit dieser Entführung betreten wir ein Museum der Kontraste. Wir hören Bilder singen und sehen sie leuchten, wir spüren die Sonne und den Wind, den Regen im Gesicht und das Gras unter den Füßen. Hier möchte man seine Staffelei aufstellen und selbst zum Maler werden. Und warum auch nicht? Arakawa zeigt, was auch zum kreativen Prozess gehört, vielleicht sogar vorrangig ist: loslassen, hinterfragen, hinsehen, und erkennen nicht als Ende, sondern als Beginn von Erkenntnis zu empfinden. Und auch, dass die technischen Möglichkeiten der Bildgebung in unserer Zeit den klassischen Methoden der Malerei gar nicht widersprechen.

Wo?

https://goo.gl/maps/44a7mLPvinA2

Ist es noch früh am Tag? Dann muss auch die Ausfahrt an den folgenden, entlegenen Ort sein. Den erreicht man mit dem Fahrrad am besten vom Ludgeriplatz, der Hammer Straße folgend. Es geht über die Umgehungsstraße hinweg bis zur Kreuzung Duesbergweg. Den rechts rein und bis zur Kreuzung Sternbusch folgen. Jetzt rechts und dann bis zum Sternbuschpark.

 

Wer?

Hreinn Friðfinnsson

Was?

fourth house of the house project since 1974

Wie?

Wenn uns die Welt zu groß wird, dann finden wir verschiedene Strategien, um uns nicht zu verlieren. In einer ziehen wir uns zurück, in ein Zimmer vielleicht, das unser Zuhause wird. Wir machen uns die Welt zu einem übersichtlichen Raum, gewohnte Grenzen, Inhalte, Themen. Oder wir flüchten in die Weite, in der Größe nicht Chaos und Druck, nicht gesellschaftliche Konventionen oder Abhängigkeiten bedeutet, sondern Freiheit und Besinnung, Weite und Grenzenlosigkeit. In seinem ‚fourth house of the house project since 1974, geht Hreinn Friðfinnsson beide Wege. Er stellt sich und uns ein Haus in die Natur, auf links gedreht, Außen ist Innen und andersherum und alles was wir sehen, ist eine Zeichnung, ein Minimalkonsens zu den Notwendigkeiten etwas als Haus zu erkennen, ein Spiegel für die Umgebung. Wir stehen in ihm oder davor, und sind doch immer klar und mit aller Freiheit verortet: in einem Zimmer und in der ganzen Welt. Was für ein eindrucksvolles, leises, sinnliches, schönes und berührendes Welterlebnis, was für ein Zuhause!

Wo?

https://goo.gl/maps/ABSBw8specr

 

Das war es. Für mich sind dies die dritten Skulptur Projekte, die ich bewusst erlebe. Manchmal denke ich mir, dass ich auch 1987 schon dabei war, aber das ist wohl eher unwahrscheinlich. Vielleicht war ich ja auch 1977, mit zwei Jahren also, schon in Münster, als Klaus Bußmann und Kasper König dieses wunderbare Experiment gestartet haben. Was ich sicher weiß ist, dass ich unglaublich dankbar bin für das Erlebnis, die Herausforderungen und Offenbarungen, die Gespräche, Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten, die dieses Format immer und notwendigerweise erfordern und befördern. Nie ist mir diese Stadt so wertvoll und spannend, nie ist sie so lebendig und international, wie in diesen Monaten, alle zehn Jahre. Um nichts in der Welt würde ich mir wünschen, dass sich dieser Rhythmus ändert, aber ich würde gerne die Zeit anhalten, jetzt.

Ich danke allen Künstlerinnen und Künstlern für ihre Beiträge, ich danke allen, die im Team der Skulptur Projekte unglaubliche und aufreibende Arbeit geleistet haben.

Skulptur Projekte 2017, noch bis zum 1. Oktober in Münster.

One comment on “Skulptur Projekte 2017, Teil II (die Fahrradtour)

  1. Johannes Massolle sagt:

    Herzlichen Dank für die beiden informativen und klugen Beschreibungen! Jetzt interessiert mich natürlich auch deine / ihre Sicht auf die Arbeit von Pierre Huyghe…
    Beste Grüße
    Johannes Massolle

    Gefällt 1 Person

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