#1Tag1Text zu: Winslow Homer ‚After the Hurricane, Bahamas‘, 1899

Wenn Winslow Homer vom Balkon seines Studios aus auf den Atlantik blickte, schien es ihm bald so, als sässe er im Mastkorb eines Segelschiffes oder stünde an dessen Reling, umgeben von den Kräften der Natur, die Wasser und Wind sind, wilde, weiss gewirbelte Wellen am Grund, die gegen die felsige Küste wie gegen die Planken eines Schiffes schlugen, und majestätische Wolkengebirge, die in langen Zügen, sich mal streckend, mal aufbäumend, über den Himmel zogen, und sich in einem weit entfernten Horizont mit dem Meer verbündeten. An manchen Tagen kreuzten in der Ferne Fischerboote seinen Blick, die aus den weit verzweigten Armen des westlichen Nonesuch River oder den nördlichen Häfen Portlands ins offene Meer aufgebrochen waren, um dort ihr Glück eines reichen Fanges zu suchen. Ein kalter, feuchter Wind trug die Mühen, die Anstrengungen eines alltäglichen Kampfes um die Schätze der See, die sie hier für sich und ihre Familien zu heben gleichsam verdammt schienen, über das aufgewirbelte Wasser und die scharfe Luft an die Staffelei auf der Aussicht des bequemen Decks, das sein Haus auf Prouts Neck, der tränenförmigen Halbinsel, die hier an der Ostküste ins Meer tropfte, schon seit einigen Jahren war. Es schien ihm, als könnte er die Rufe der Fischer hören, wie sie sich gegenseitig Mut zuriefen und Befehle, Warnungen und Kommandos, geschult an den Erfahrungen aus Generationen, und doch immer wieder herausgefordert und durchkreuzt durch die undurchschaubaren Pläne einer wilden Natur, die nicht so ohne weiteres von sich nehmen lassen würde was ihr gehört, und in deren Aufbäumen sich die Götter und Gestalten ferner Mythologien zu manifestieren schienen, die bis in diese Gegenwart Sagen und Geschichten an Land und in die Familien der Fischer trugen. 

1933.1235 - After the Hurricane, Bahamas
Winslow Homer After the Hurricane, Bahamas 1899

Weit im Süden, an einem Sandstrand auf den Bahamas, lag ein Fischerjunge, mit letzter Kraft dem Sog des Wassers und des Windes auf den sicheren Grund seiner Heimatinsel entkommen. Sein kleines Boot, treuer Gefährte seiner alltäglichen wie lebensnotwendigen Kämpfe, war nur noch eine weit verstreute Ansammlung von Holzscheiten, von denen allein Heck und Ruder sich in einem unbrauchbar gewordenen Stück mit ihm an Land gerettet zu haben schienen. Über Land und Meer und Leben war der Hurrikan gezogen, und Land und Meer und Leben überließ er mit ungeheuerlichen Kräften seiner Verwandlung. Die Wolken des Sturmes zogen mit den Wellen weiter, alles wurde der flache Atem einer unendlichen Erschöpfung im ewigen Kreislauf mit der Hoffnung auf den nächsten Tag, und die Wasserfarben in einem Bild von Winslow Homer.