#1Tag1Text zu: Frédéric Bazille ‚Fischer mit Wurfnetz‘, 1868

Frédéric Bazille kommt aus gutem Hause, wie man so sagt, und sein Weg ist vorgezeichnet. Arzt soll er werden, so ist es von den Eltern gewünscht, ein Medizinstudium wird begonnen.

1862 geht er nach Paris, da gilt sein Interesse schon gar nicht mehr so recht dem trockenen Studium der Anatomie. Da gilt es schon der Kunst, der Künstlerszene einer pulsierenden Stadt, den Freunden Monet und Renoir, die er im Atelier von Gleyre kennenlernt. Die Eltern sind sicher nicht begeistert, stehen den Interessen des Sohnes aber auch nicht im Weg. Sie hatten ihm schon vor dem Aufbruch nach Paris Zeichenunterricht finanziert, und nun teilt er sich mit ihrer Hilfe hier ein Atelier mit Auguste Renoir. Nicht lange aber hält es ihn in den engen Räumen. Er sieht, was Claude Monet macht, sieht ihn mit der Staffelei aufs Land ziehen, auf die Felder, in die Natur, und er folgt seinem Vorbild.

Bazille begeistert sich für Delacroix, Courbet und Manet, schult sich an den Arbeiten seiner Freunde, und die Künstlerfreunde, die sich mit Verkäufen schwer tun, unterstützt er finanziell. Und er will Öffentlichkeit. Er will die verkrusteten Strukturen der Akademie aufbrechen, und das starre und konservative System der Salonausstellungen durchbrechen, das immer wieder Absagen und Ablehnung bedeutet, für ihn, für seine Freunde.

Ein ‚Salon des Refusés‘ muss her! Ein Ort für diese neue Kunst, die mehr Raum braucht und Luft und Freiheit.

Bazille wird diesen Ort nicht mehr erleben. Als er 1870 in der Schlacht von Beaune-la-Rolande stirbt, hat die Kunst, für die er schon in seiner Zeit Vorreiter war, noch nicht einmal den Namen, den ihr erst 1874 ein Kritiker mit Verweis auf den Titel eines Bildes von Monet (‚Impression – soleil levant‘, 1872) geben wird: Impressionismus.

Bazille_-_Pêcheur_à_l'épervier
Frédéric Bazille Fischer mit Wurfnetz 1868

Für ‚Fischer mit Wurfnetz‘, entstanden 1868, kehrt Bazille in die Heimat um Montpellier zurück, an den Fluss Lez, an dessen Ufer schließlich dieses Bild als eines der ersten impressionistischen Motive mit nackten Modellen in freier Natur entsteht. Noch spürt man vielleicht in der anatomischen Genauigkeit die akademische Schulung, vielleicht auch das Wissen über den menschlichen Körper aus seinem Studium der Medizin. Im Lichtfall, den Reflexen, den Details, den Schatten und Bewegungen aber, am Wasser, am Gras, am Laub, erkennt man den Wunsch nach Neuem. Ein neuer Blick auf den Menschen und die Natur. 

Noch zwei Jahre, dann langes Vergessen.