‚Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung‘, im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

2019 feiern zahlreiche Museen und Institutionen die Gründung der Bauhaus-Schule vor 100 Jahren. Und das nicht nur in Weimar, Dessau oder Berlin. Auch in Nordrhein-Westfalen erinnern über 40 Ausstellungen und Projekte an eine Idee und deren Ausgestaltung, der in Deutschland gerade einmal knapp 15 Jahre bis zur Schließung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten gegeben war.

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Bauhaus Signet, Oskar Schlemmer, 1922

Dass die Geschichte an dieser Stelle aber nicht zu Ende ist, auch davon erzählt die Ausstellung ‚Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung‘ im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, das selbst mit zahlreichen Arbeiten der hauseigenen Sammlung, etwa von Josef Albers und Otto Piene, schon genau die lange Traditionslinie sichtbar macht, die 100 Jahre Bauhaus ist.

Mein Blick auf diese Geschichte beginnt im Gründungsjahr, und im Fokus stehen zwei Menschen, die das Bauhaus und unseren Blick darauf prägen werden.

Am 15. Mai 1919 schreibt der damals vierundzwanzigjährige László Moholy-Nagy in sein Notizbuch:

‚Und ich weiß jetzt, wenn ich meine besten Fähigkeiten in der ihnen angemessenen Weise entfalte – wenn ich versuche, den Sinn meines Lebens ehrlich und gründlich zu erfassen –, dann ist es richtig, dass ich Maler werde. Meine Begabung liegt in dem Ausdruck meiner Lebens- und Gestaltungskraft durch Licht, Farbe und Form.’

(http://blog.staedelmuseum.de/laszlo-moholy-nagy-und-das-bauhaus/)
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László Moholy-Nagy, Dessau, 1920er

Der junge Mann ist da vielleicht gerade auf dem Weg nach Wien, um sich dort einer kleinen Gruppe ungarischer Exilkünstler anzuschließen, und um seinen Fähigkeiten und Vorstellungen zu folgen. Lange wird er allerdings nicht bleiben. Schon im Folgejahr zieht es ihn ins Epizentrum europäischer Kultur in diesen Jahren: nach Berlin. Er probiert sich aus, malt figurativ, ist dadaistisch, schließlich abstrakt. Es ist ein Rausch in dieser Metropole der Musik, der Kunst, der Literatur, der Lichter, diesem pulsierenden Kosmos, ständig in Bewegung, ein glühend heisser Stern, der alle und alles in seinen Bann zieht und pure Energie freilässt. In dieser Atmosphäre des kulturellen Austausches findet hier – ganz mondän ‚Unter den Linden‘ – ab Oktober 1922 die ‚Erste Russische Kunstausstellung Berlin‘ statt.

‚Wir, die wir bis dahin stets nach dem Westen und Paris orientiert waren, sahen plötzlich im Osten eine ganze Generation von neuen Künstlern und Ideen vor uns‘,

(https://www.dekoder.org/de/gnose/erste-russische-kunstausstellung-berlin-1922)

wird sich Hans Richter später erinnern. 

László Moholy-Nagy schaut genau hin, hört genau zu, und findet seine Vorstellungen und Wünsche in den Ideen und Manifesten einer Bewegung wieder, die mehr sein will als eine Kunstrichtung. Der Konstruktivismus will politisch sein, kritisch, relevant, er beobachtet die Naturgesetze, ist mathematisch, exakt, er bricht mit der altgedienten Staffelei, ist technisch, zeitgemäß. Und er ist Malerei, Architektur, Design, ist Plakat, Bühnenbild und Möbel. Natürlich ist er auch Propaganda, aber was er in erster Linie hier, an diesem Ort, im kulturellen wie künstlerischen  Austausch hinterlässt, ist der Anstoß für De Stijl, für Konkrete Kunst und für das Bauhaus.

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Walter Gropius, 1920

Es ist etwa Februar 1923, László Moholy-Nagy hat eine Ausstellung in der Galerie ‚Der Sturm‘, und Walter Gropius ist zu Besuch. Der ist in Weimar Direktor einer Schule, die 1919 aus dem Zusammenschluss von Großherzoglich-Sächsischer Kunstschule Weimar und Großherzoglich-Sächsischer Kunstgewerbeschule Weimar hervorgegangen war, und der Gropius einen neuen, griffigen und bis heute leuchtenden Namen gab: Staatliches Bauhaus.

Und natürlich hat dieses Bauhaus ein Manifest, formuliert von Gropius, ganz unbescheiden und pathetisch heisst es da unter anderem:

‚Wenn der junge Mensch, der Liebe zur bildnerischen Tätigkeit in sich verspürt, wieder wie einst seine Bahn damit beginnt, ein Handwerk zu erlernen, so bleibt der unproduktive „Künstler“ künftig nicht mehr zu unvollkommener Kunstübung verdammt, denn seine Fertigkeit bleibt nun dem Handwerk erhalten, wo er Vortreffliches zu leisten vermag. 

Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! Denn es gibt keine „Kunst von Beruf“. Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers. Gnade des Himmels läßt in seltenen Lichtmomenten, die jenseits seines Wollens stehen, unbewußt Kunst aus dem Werk seiner Hand erblühen, die Grundlage des Werkmäßigen aber ist unerläßlich für jeden Künstler. Dort ist der Urquell des schöpferischen Gestaltens.’

Licht, Form, Farbe, Handwerk. Gropius trifft in Moholy-Nagy einen Freund im Geiste und ab diesem Zeitpunkt auch im Leben. 

Moholy-Nagy folgt ihm nach Weimar, schließlich nach Dessau, ist sein Assistent und Leiter des Vorkurses und der Metallwerkstatt. Er wird einer der prägendsten Lehrer am Bauhaus, und er wird seine Ideen mit in die erzwungene Ferne nehmen, nach Amsterdam, nach England und schließlich in die USA, wo er das New Bauhaus gründet und wo in seiner Folge, am Institute of Design (ID), auch seine Lehren und Ideen weiterleben und -wirken werden. 

Auf der Internetseite des ID heisst es zu Geschichte, Verpflichtung und Aufgabe:

Founded 80 years ago in Chicago as the New Bauhaus by László Moholy-Nagy, in order to “ensure … society has access to the maximum use of constructive abilities for its benefit,” ID is a graduate-only professional design school in North America. Grounded in human-centered design and systems thinking, ID offers leading Master’s and PhD programs in design and design-driven innovation and develops pioneering thinkers and interdisciplinary problem solvers who navigate and facilitate change across complex systems.’

(https://id.iit.edu/design-strategy/)

100 Jahre nach seiner Gründung ist das Bauhaus ganz lebendig Teil einer kulturellen wie künstlerischen Praxis, mehr als nur Erinnerung, mehr als nur Ausstellung und Feierlichkeit, Konzerte und Reden, mehr sogar als nur das Manifest, mit dem alles begann. Und eben darum ist es kein Geringes, dass es all die Ausstellungen, Reden und Feierlichkeiten gibt. 

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Xanti Schawinsky, Spectodrama, 8: Gebäude (Spannung), 1937, © The Xanti Schawinsky Estate

In 100 Jahren sammelt sich viel an, viel Material und viele Geschichten, Licht und Schatten, Texte und Biografien. All das will erzählt sein und gesehen werden. Nur wo soll man beginnen und was ist die eine Geschichte, die man Zeit und Raum hat zu erzählen? Worum soll sich alles drehen?

Alles dreht sich um Licht, Form und Farbe. 

Licht und Bewegung, das sind auch die Kernthemen der Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Experimente mit Licht, die Inszenierung von und mit Licht, die Bewegung von Körpern und ihre Wirkung in der Bewegung, Theater und Bühne sind vielleicht die weniger bekannten Facetten der Bauhaus-Schule, aber sie sind ganz sicher ihr Zentrum. 

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László Moholy-Nagy, Lichtrequisit für eine elektrische Bühne, 1930, Nachbau 2006, Harvard Art Museums/Busch- Reisinger Museum, Hildegard von Gontard Fund, Foto: Imaging Department, © President and Fellows of Harvard College

Und hier, in Münster, ist das Zentrum eine Maschine, die Licht, Form und Farbe gleichzeitig ist. Ein ‚Licht-Raum-Modulator‘, oder auch ‚Lichtrequisit für eine elektrische Bühne‘, verwandelt zweimal am Tag den kleinen Raum in dem er steht, und alle und alles in seiner Nähe, in Leinwände eines Lichtspieles und gleichsam hypnotisierte Betrachter einer mechanischen Wunderkammer, drehend, surrend, reflektierend, strahlend. Er ist Körper in Bewegung, Architektur, Sonne und Spiegel, Lichtquelle und Bühne. Von Moholy-Nagy 1930 erschaffen, gilt er als erste großformatige, kinetische Lichtskulptur überhaupt, dessen Arbeit und Wirkung der Künstler so beschreibt:

‚Das Modell besteht aus einem kubischen Kasten […] mit einer kreisrunden Öffnung (Bühnenöffnung) auf der Vorderseite. Um die Öffnung herum, auf der Rückseite der Platte, sind eine Anzahl gelb-, grün-, blau-, rot-, weißfarbiger elektrischer Glühbirnen montiert […] Innerhalb des Kastens, parallel zu der Vorderseite, befindet sich eine zweite Platte, ebenfalls mit einer kreisrunden Öffnung, worauf auch um die Öffnung herum die verschiedenfarbigen elektrischen Glühbirnen montiert sind.

Einzelne Glühbirnen leuchten aufgrund eines vorbestimmten Planes an verschiedenen Stellen auf. Sie beleuchten einen sich kontinuierlich bewegenden Mechanismus, der teils aus durchsichtigen, teils aus durchbrochenen Materialien aufgebaut ist, um möglichst lineare Schattenbildungen auf der Hinterwand des geschlossenen Kastens zu erzielen. (Wenn die Vorführung in einem verdunkelten Raum vor sich geht, kann die Kastenrückwand entfernt und die Farben- und Schattenprojektion hinter dem Kasten auf einem beliebig großen Schirm vorgenommen werden.)’

(http://www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/o_mod/moholy0.htm)

In der Materialliste der in Münster ausgestellten Replik aus dem Jahr 2006 heisst es: ‚Metall, Plastik, Glas, Farbe und Holz, mit Elektromotor‘. Das sind die rein faktischen Beschreibungen eines im wahrsten Sinne des Wortes Dreh- und Angelpunktes der Erzählung über Ursache und Wirkung dessen, was Bauhaus jenseits der bekannten Marken in Architektur und Design eben auch, vielleicht gar vor allem, war und ist.

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Ludwig Hirschfeld-Mack, Farbenlichtspiele, 1923, Rekonstruktion 1999, Stiftung MUSEION. Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen, © Estate of Ludwig Hirschfeld-Mack

Das Licht der Maschine erhellt den Blick auf die Ursprünge der Idee, auf die ‚Bauhausbühne‘ und die ‚Mechanische Bühnenrevue‘ von Andor Weininger etwa, oder die Bühnenelemente von Xanti Schawinsky in Weimar und Dessau, auf den ‚Lichtspielapparat‘ von Ludwig Hirschfeld-Mack und die ‚Reflektorischen Lichtspiele‘ von Kurt Schwerdtfeger, die es hier in Münster zu bestaunen gibt, und die zunächst den Untertitel der Ausstellung als prägende Erfahrung für den Besucher und Betrachter wirken lassen. ‚Experimente in Licht und Bewegung‘, das war Bauhaus eben auch, in seiner so allumfassenden Idee davon Avantgarde zu sein, mit den Menschen, für die Menschen, und im Wunsch darin, Kunst und Handwerk zu vereinen. Das alles war den Nationalsozialisten wohl dann doch zu unabhängig, zu progressiv, links, non-konform, zu aufsässig, kommunistisch, propagandistisch. 1932 musste das Staatliche Bauhaus in Dessau schließen, nur ein Jahr später seine Ausweichstelle in Berlin. In Deutschland war kein Platz mehr für diese Ideen und Menschen.

Mit dem erzwungenen Exil in den USA werden die Ideen und Experimente aber nicht enden. Und gerade Licht ist zu frei für (politische) Grenzen und seine Kraft eine universelle Erfahrung. Am ‚New Bauhaus‘ in Chicago oder am ‚Black Mountain College‘ in North Carolina, werden sich Künstler und Ideen wieder treffen, weiterleben und sich weiterentwickeln. 

Hier arbeiten und lehren etwa John Cage, Richard Buckminster Fuller, Aaron Siskind, Anni Albers, Josef Albers, Merce Cunningham, Willem de Kooning, Lyonel Feininger, Walter Gropius, Robert Motherwell, Alexander Schawinsky oder Cy Twombly.

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Capture Device – Canon 5D MK2 Digital Camera; Department – Photography; Photographer – S. Oliver

In ‚More Sky‘ formuliert Otto Piene, ab 1974 Direktor des Center for Advanced Visual Studies des MIT, und damit Nachfolger des ‚New Bauhaus‘-Lehrers György Kepes, es 1970 so:

‚Light is obviously a biological necessity. Man’s physical being and his senses are equally kept alive and stimulated by light. The spiritual power of light is expressed in innumerable works of art of the past and by many metaphors using light images in modern languages.’

(https://mitpress.mit.edu/books/more-sky)

‚Bauhaus‘ lebt durch und mit Licht und Bewegung weiter. Seine Ideen prägen Künstlergenerationen weit über die Zeit von New Bauhaus oder ‚Black Mountain College‘ hinaus. Und so wirft der ‚Licht-Raum-Modulator‘ von László Moholy-Nagy sein Licht auch auf diese Zeit, und darauf, wie eine europäische Idee in Amerika weiterlebt und die Irrungen und Wirrungen der Zeit allein schon dadurch übersteht, dass sie nicht stehenbleibt, sich immer weiter bewegt, und schließlich in die Gegenwart wirkt.

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Barbara Kasten, Photogenic Painting, Ohne Titel 75/31, 1975, © Barbara Kasten, Courtesy Kadel Willborn, Düsseldorf and Bortolami Gallery, New York

In Münster belegen etwa die eindrucksvollen Fotografien von Barbara Kasten und ein Arbeit von Tauba Auerbach, wie sehr die Experimente mit Licht und Bewegung Kunst und KünstlerInnen bis heute prägen. Ihre Werke nehmen so augenscheinlich Bezug auf die Werke und Ideen von Moholy-Nagy, dass sie bei aller Eigenständigkeit sicher auch als Hommage verstanden werden können.

Mit den Performances von Bruce Nauman und dem Tanztheater von Merce Cunningham vereinen sich die Kräfte von Licht und Bewegung im menschlichen Körper zum Ausdruck von Freiheit und Beherrschung der Form. Zufall und Regel schließen sich nicht aus, solange man im Umgang mit ihren Ursachen und ihren Wirkungen geschult ist, solange man sie bestimmt, und sich nicht bestimmen lässt, solange man Gleichberechtigung einfordert.

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Heinz Mack, Lichtrelief, 1965, Sammlung Van Abbemuseum, Eindhoven, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Van Abbemuseum, Eindhoven

Heins Macks ‚Lichtrotor‘ von 1964 greift Ideen auf, deren Ursprünge unverkennbar in den Lichtexperimenten des Bauhaus gefunden werden können. Das ZERO-Manifest von 1963 mag im Vergleich zum Bauhaus-Manifest futuristisch und dadaistisch wirken. Hier steht weniger die Ursache, als die Wirkung im Vordergrund. Und doch sind Licht, Farbe und Form, die Trias, die den jungen Moholy-Nagy so interessierte, unverkennbarer Kern der Gedanken.

‚Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich. Zero ist der Mond. Die Sonne ist Zero. Zero ist weiss. Die Wüste Zero. Der Himmel über Zero. Die Nacht –, Zero fließt. Das Auge Zero. Nabel. Mund. Kuß. Die Milch ist rund. Die Blume Zero der Vogel. Schweigend. Schwebend. Ich esse Zero, ich trinke Zero, ich schlafe Zero, ich wache Zero, ich liebe Zero. Zero ist schön, dynamo, dynamo, dynamo. Die Bäume im Frühling, der Schnee, Feuer, Wasser, Meer. Rot orange gelb grün indigo blau violett Zero Zero Regenbogen. 4 3 2 1 Zero. Gold und Silber, Schall und Rauch. Wanderzirkus Zero. Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero ist Zero.’ 

Licht und Bewegung sind Inhalt und Ziel, und sie scheinen mir der Garant für eine Erfolgsgeschichte zu sein, die die Ausstellung in Münster auch erzählen kann. 

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Ausstellungsansicht ‚Bauhaus und Amerika‘ mit (re.) Johanna Reich ‚Homo Ludens IV Lascaux‘, 2018 Foto: LWL/Judith Frey

Johanna Reich etwa, geboren 1977 und in der Ausstellung mit zwei Werken vertreten, sieht sich und ihre Arbeiten ganz explizit in der Tradition von Moholy-Nagy:

‚Ich finde den Bauhaus-Gedanken hochaktuell. Es sind die Experimente mit Licht, zum Beispiel bei Moholy-Nagy, der die Lichtprojektion im Raum dachte und sie ausweiten wollte als Ganzes – und genau da sind wir jetzt. Wenn wir in Richtung von VR-Kameras, Virtual Reality usw. gucken, haben wir genau das, was mit diesen Arbeiten vorausgedacht worden ist.’

(https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=46726)
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Bruce Nauman, Dance or Exercise on the Perimeter of a Square, 1967, Collection Stedelijk Museum Amsterdam, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

So grenzenlos Licht, so zeitlos seine Wirkung. Die Bauhaus-Schule mag im Weimar und Dessau der 20er Jahre ihre Manifestation gefunden haben. Aber auch sie ist Ergebnis einer Tradition, mag sie Jugendstil, Konstruktivismus oder noch anders heissen. Sie ist Teil eines zutiefst menschlichen Wunsches, sich nicht zum Sklaven von Systemen, Kategorien, Maschinen machen zu lassen, sondern die Umstände kreativ und unabhängig zu bestimmen. Und sie ist der Beweis dafür, wie Ideen im Spiegel der Zeit reflektiert werden. ‚Bauhaus und Amerika‘ ist keine Einbahnstraße. Amerika war vor allem das freie, das liberale und demokratische Biotop einer Idee, die in der Dunkelheit Deutschlands wie Europas in diesen Jahren nicht wirken konnte und durfte, deren Weg zurück sich aber nicht aufhalten ließ.

László Moholy-Nagy stirbt 1946 in Chicago, Walter Gropius dreiundzwanzig Jahre später in Boston. Das wir ihre Ideen und die ihrer Mitstreiter heute feiern können, verdankt sich nicht zuletzt ihrer Relevanz und ihrer Aktualität. Die besondere Stärke der Ausstellung in Münster liegt dabei gerade im Blick auf die Relevanz und Stärke von Bauhaus-Themen jenseits von Architektur und Design.

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Blick in die Ausstellung „Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung“. Foto: LWL/Christoph Steinweg

Den Kuratorinnen Kristin Bartels und Tanja Pirsig-Marshall ist es dabei in der Auswahl der Werke und in der Ausstellungsgestaltung gelungen, die besondere Chronologie einer so bedeutenden Schule in Wirkung und Wechselwirkung, aus dem Blick in die Vergangenheit wie in die Gegenwart, nach Amerika und zurück nach Europa, nach Deutschland, überzeugend sichtbar und spürbar werden zu lassen. 

Es lohnt sich, ja es ist notwendig, mehrmals hierher zu kommen, ums sich auf immer neue Geschichten einlassen zu können.

74753‚Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung‘ lädt dazu ein, sich auf eine Zeitreise und eine Weltreise zu begeben, und dazu, Geschichten und Biografien zu folgen. 

‚Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung‘, im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, bis zum 10. März 2019

Licht-Raum-Modulator, Täglich 11 und 16 Uhr, 15 Minuten

Im Kerber Verlag ist ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Texten zu Aspekten der Bauhaus Schule und einem umfangreichen Bildteil erschienen (Museumsausgabe 27€)