[#SHORTLINK] ‚Werner Mantz: Architekturen und Menschen‘, Museum Ludwig, Köln

‚Neues Bauen‘ heisst Konzentration, Objektivität, Funktion, Reduktion, Konstruktion. Im Ergebnis spiegeln die entstanden Gebäude dieser Zeit eben gerade durch die klaren Strukturen und Regeln ihrer architektonischen Sprache gesellschaftliche Realität in den 1920er Jahren.

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Werner Mantz Wohnblock in der Ruhrorterstraße, Köln, um 1929 Bromsilberdruck Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Es ging darum, aus der Funktion die Konstruktion zu entwickeln, die in der klaren und von modernen Materialien geprägten Bauweise vor allem einen Fokus auf das soziale Umfeld, eine gesellschaftliche Relevanz, legt.

Werner Mantz hat die Entwicklung des Neuen Bauens in seiner Ausprägung vor allem im Kölner Raum und der Adenauerschen Siedlungspolitik bis zum Ende der 1930er Jahre photographisch begleitet, und als Auftragsfotograf in Szene gesetzt.

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Werner Mantz Wohnblock in der Kopernikusstraße, Köln, um 1930 Bromsilberdruck Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Seine Architekturphotographien folgen in Bildaufbau, Perspektive und dem Spiel mit Licht und Schatten der Architektur und verstärken dadurch ihre Wirkung. Sie sind dabei professionelle Dokumentation, keine aus künstlerischen Ansprüchen des Fotografen selbst erwachsene Inszenierung.

Die Ausstellung ‚Werner Mantz: Architekturen und Menschen‘ im Museum Ludwig verschweigt diesen Aspekt seiner Arbeit keineswegs. Sie verstärkt ihn über die Präsentation verschiedener Werkgruppen (Architektur, Porträts, Innenräume, Möbel, Glas, Straßen) sogar eher noch, und doch sind die Photographien hier und im musealen Kontext ideal aufgehoben.

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Werner Mantz Arbeitszimmer, um 1929 Bromsilberdruck Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Mantz mag als Auftragsfotograf in den zahlreichen Betätigungsfeldern nicht der Definition eines Künstlers entsprechen. Vielleicht sind es Instinkt oder eben einfach die Begabung des genauen Sehens, die seine Photographien aber dennoch zu Kunstwerken machen.

Ich habe den Eindruck, Mantz folgt in der Architekturfotografie – und eben nicht nur dort, sonder auch in den anderen Feldern – eben jenen Regeln, die sich die Baukunst der Zeit, das ‚Neue Bauen‘, gegeben hat.

‚Neues Bauen‘ heisst denn eben auch ‚Neues Sehen‘ und legt damit die Nähe zur Photographie meiner Meinung nach offen.

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Werner Mantz Porträt von Anton Räderscheidt, 1923 Pigmentdruck Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Ende der 1930er Jahre geht Mantz nach Maastricht und betreibt dort von da an vor allem ein Porträtstudio. Auch diese Porträts waren Auftragsarbeiten, die, wie die Architekturfotografie nicht zu einer Präsentation in Werkgruppen gedacht waren, sondern dem Gebrauch eben durch den Auftraggeber dienten.

Im Museum Ludwig werden sie in der Präsentation in Gruppen als Teil eines Gesamtwerkes nun in der Gegenüberstellung und damit Ergänzung zu integralen Bestandteilen des Werkes auch in der Gemeinsamkeit von klaren Regeln von Bildaufbau, Perspektive, Licht.

Im Vordergrund steht hier die Konzentration auf elementare, objektive und reduzierte Merkmale als Ausgangspunkte einer Inszenierung im Raum.

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Werner Mantz Porträt einer jungen Frau, Familie Huyben, Maastricht, 1968 Gelatinesilberpapier Nederlands Fotomuseum, Rotterdam © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Werner Mantz / Nederlands Fotomuseum Foto: Nederlands Fotomuseum, Rotterdam

So, wie die dokumentierte Architektur in seiner Photographie eine Verstärkung durch Inszenierung erfährt, ergeht es auch den porträtierten Menschen. Lässt die Inszenierung der Architektur und der fotografierten Landschaften diese in ihrer Menschenleere kühl und abweisend erscheinen, so steht man hier in der Ausstellung auch vor den Dutzenden von Gesichtern, deren Anonymität – so ist ist es jedenfalls zumeist – Unnahbarkeit und auch Kühle ausstrahlen. Wie die Architektur, so scheint hier und in der Gegenüberstellung, die Allgemeingültigkeit einer Aussage im Vordergrund zu stehen, die gerade in der geballten Präsentation so eindrücklich deutlich wird.

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Werner Mantz Stilleben, 1950 -1971 Gelatinesilberpapier Nederlands Fotomuseum, Rotterdam © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Werner Mantz / Nederlands Fotomuseum Foto: Nederlands Fotomuseum, Rotterdam

Die Ausstellung im Museum Ludwig beleuchtet in ihrer fokussierten Zusammenstellung nicht nur das photographische Abbild einer Gegenwart, sondern auch die Frage nach dem Umgang mit dem Stellenwert der künstlerischen Komponente im Werk.

Vor allem der Katalog beleuchtet diese Fragestellung im Gespräch des Kuratorenduos Frits Gierstberg vom Nederlands Fotomuseum und Miriam Halwani vom Museum Ludwig.

‚Werner Mantz: Architekturen und Menschen‘ im Museum Ludwig, Köln, bis zum 21. Januar 2018

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