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Kai Eric Schwichtenberg

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Viel gesehen, noch mehr verpasst?

Ein intensives GalleryWeekend liegt hinter mir. Ich hatte mir im Vorfeld einige Galerien ausgesucht, die ich auf jeden Fall besuchen wollte, und bin darüber hinaus noch dankenswerterweise mit einigen Tipps versorgt worden. So ergab sich eine relativ überschaubare Zahl von ca. 10 bis 12 Adressen, die zu besuchen ich mir fest vorgenommen hatte.

Am Ende von zwei fantastischen Tagen in der Hauptstadt sind auf meinem GalleryWeekend-Faltplan 30 abgehakte Nummern, verteilt über die gesamte Stadt, unmissverständliche Zeichen für eine grassierende Galeriesucht, oder Kunstsucht, oder was auch immer das war, das mich größtenteils zu Fuß von einem Ort zum anderen getrieben hat.

Auf jeden Fall war es ein aufregendes, erkenntnisreiches, unterhaltsames, inspirierendes Wochenende mit bleibenden Erinnerungen an einige großartige Positionen der Gegenwartskunst.

Ich hatte nicht geplant, an dieser Stelle ausführlicher von meinem ‚Rundgang‘ zu berichten. Weil es aber doch die ein oder andere Position gab, über die zu schreiben sich meiner Meinung nach schon deshalb lohnt, weil ich so meine Freunde in Berlin – oder jene, die in den kommenden Wochen dort sind – darauf hinweisen kann, habe ich mich für eine ganz subjektive Top 4 entschieden.

Die Stärke einer ‚Hitliste‘ liegt wie immer in den Auslassungen, die Reihenfolge hier drückt keine Gewichtung aus.

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Peles Empire 

1EYE 2EYES

Wentrup Galerie bis 16. Juni

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Installationsansicht Peles Empire ‚1EYE 2EYES‘, Wentrup Galerie Courtesy: Peles Empire und Wentrup Galerie

Künstler_innen sind Maler, Zeichner, Bildhauer, Architekten, Musiker, Autoren. Ihr Metier ist immer auch ein Wahrnehmen vom Resonanzraum ‚Realität‘, ihre Stärke ist die Offenbarung von Lebenswellen, die in diesem Resonanzraum schwingen. Dieser Raum, das Leben, vereint auf erstaunliche Weise Ebenen der visuellen Wahrnehmung aus 3D und 2D. Der flüchtige Moment der Gegenwart ist dabei der einzige Zeitpunkt wahrhaftiger Dreidimensionalität. Seine Reproduktion erfordert schon einen Moment später ganz neue Ideen der Auseinandersetzung, ebenso der Blick in die Zukunft.

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Installationsansicht Peles Empire ‚1EYE 2EYES‘, Wentrup Galerie Courtesy: Peles Empire und Wentrup Galerie

Das Künstlerinnenduo Peles Empire verbindet in seiner Ausstellung ‚1EYE 2EYES‘ diese Kombination aus Statischem und Flüchtigem durch eine Überlagerung von Raum und Zeit, nicht im physikalischen, sondern im physischen Sinne. Der Galerieraum ist das Atelier, ist der Galerieraum. Der Boden und die Wände, belegt durch fotografische Wandteppiche, gaukeln sowohl einen Raum als auch eine zeitliche Komponente vor, indem sie einen Blick in die (zweidimensionale) Vergangenheit erlauben, die der Besucher betritt, um die (dreidimensionale) Gegenwart zu betrachten. Ganz nebenbei fasziniert mich an dieser Arbeit auch das Narrativ von Erschaffung, Präsentation und Verkauf im Rahmen des Gallery Weekend.

http://www.wentrupgallery.com/exhibitions/current/

 

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Diango Hernández

Marina

Galerie Barbara Thumm bis 4. Juni

Wenn die Gerüche der Ferne verflogen sind bleiben die Farben.

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Ausstellungsansicht Galerie Barbara Thumm Courtesy: Diango Hernández und Galerie Barbara Thumm

In ihnen schwingen die Erinnerungen an Raum und Zeit nach, aus ihnen setzt sich der Ort wieder zusammen, mit ihnen erzählen sich die Geschichten der Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.

‚Kein Mensch ist eine Insel‘ – Verlust, Gewinn, Trauer, Freude, Gedanken und Taten: jede Bewegung von Körper und Geist produziert Wellen, die sich auf ihrem Weg mit unzähligen anderen verbinden, verwirbeln, brechen.

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Ausstellungsansicht Galerie Barbara Thumm Courtesy: Diango Hernández und Galerie Barbara Thumm

Diango Hernández stellt den Betrachter in einen abstrahierten Hafen seiner kubanischen Heimat, den Blick auf das Meer gerichtet, durch ein Fenster, Sand zwischen den Fingern. Wir sind hier ganz weit weg von einem realen Ort, denn er ist ein Sehnsuchtsort, wie er nur in Gedanken entstehen kann. Für den Künstler gelten diese Gedanken auch einer politischen, kulturellen, sozialen Heimat, deren Umbrüche auf jeden einzelnen unterschiedlich einwirken.

Das Meer bleibt das Meer, der Blick durchs Fenster wird geteilt, wie auch der Sand zwischen den Fingern. Die Erzählung aber, die sich daraus ergibt, wird stets anders klingen. Das Meer ist blau, die Sonne gelb, die Palmen grün und braun. Die Farben bleiben als Erinnerung: an Heimat, Sehnsuchtsort, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, an Umbrüche und Aufbrüche, an gelungene und gescheitere Revolutionen und an die Isolation einer Insel.

http://bthumm.de/artists/diango-hernandez/gallery-exhibitions/

 

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Ed Fornieles

Der Geist: Flesh Feast

Arratia Beer bis 11. Juni

Arriata Beer - Ed Fornieles

Ed Fornieles, Der Geist: Flesh Feast, installation view, Arratia Beer, 2016 Courtesy: Ed Fornieles und Arratia Beer

Da ist dieser Fuchs, der uns eine Geschichte erzählen kann.

Er ist das Alter Ego des Künstlers, vielleicht aber auch ein Spiegelbild seines Betrachters. Im Fuchs kann ich mich sehen, mit ihm kann ich mich identifizieren. Er hat eine eigene Persönlichkeit, aber die legt sich auch wie ein Leinwand über die Realität.

Dieser Fuchs ist ein Getriebener. Weg und Ziel heißen: Selbstoptimierung!

Selbstoptimierung als Schlagwort einer Kultur, die davon ausgeht, dass es einen menschlichen Idealzustand zum Wohle des einzelnen Menschen gibt und dabei die Wahrheit unterschlägt: sie dient eigentlich nur der Anpassung, dem Verlust der Individualität. Selbstoptimierung ist das Eingeständnis in die Konventionen einer erfolgsgetriebenen (Arbeits-)Welt.

Arriata Beer - Ed Fornieles

Ed Fornieles, Der Geist: Flesh Feast, installation view, Arratia Beer, 2016 Courtesy: Ed Fornieles und Arratia Beer

Ed Fornieles hält dem ewig Suchenden, einer Gesellschaft, einer Industrie, sich, uns den Spiegel vor. Seine Arbeit fragt nach dem Verbleib der Individualität und der Identität. Er scheut sich nicht vor Platitüden: ‚Weine nicht über die Vergangenheit, sie ist vorbei. Sei nicht beunruhigt über die Zukunft, sie ist noch nicht hier. Lebe im Jetzt und mache es zu etwas Wundervollem.‘ Wir können nur den Körper unserer Gegenwart optimieren. Optimierung(ssucht) wird zur Vakuumisierung dieser Gegenwart. Wer sich nicht optimiert, zerfällt, verfault, verdorrt.

Ich habe mein vakuumisiertes Starterkit (enthalten: eine Stofftasche, darin eine Zitrone, Tofu, Nüsse und die Anleitung zur Selbstoptimierung) inzwischen geöffnet und werde die Anweisungen aufmerksam studieren.

http://www.arratiabeer.com/ed-fornieles-current-exhibition-1

 

 

.4

Alexandre Singh

The school for objects criticized AE

Sprüth Magers bis  25. Juni

Zwei Kassettenrecorder, ein Toaster und eine Flasche Chlorbleiche unterhalten sich…

Was sich anhört wie der Beginn eines extrem skurrilen Witzes ist im nicht minder skurrilen Setting der Installation von Alexandre Singh ‚Realität‘.

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Installationsansicht Alexandre Singh ‚THE SCHOOL FOR OBJECTS CRITICIZED AE‘, Sprüth Magers Courtesy: Sprüth Magers

Objekte werden zu Subjekten, denen wir eine eigenständige Persönlichkeit über ihre reine Funktionalität hinaus zugestehen müssen, weil sie sich ganz offensichtlich – und sehr ausführlich –  miteinander unterhalten. Im abgedunkelten Ausstellungsraum steht jedes Objekt auf seinem eigenen Sockel und wird Teil einer Performance, indem es von einem Spot erhellt wird, sobald es die Szenerie ‚betritt‘. Eine exaltierte Runde von Kunstkennern und Genießern, Freunden von Lebensweisheiten und Gedanken zu Gott und der Welt trifft sich. Und sie sprechen über eine Arbeit von Alexandre Sing, bei der verschiedene Alltagsgegenstände auf Sockeln präsentiert werden… Eine herrliche Auseinandersetzung mit dem Originalitäsbegriff in der Kunst, eine spannende Fusion von Theater, Performance, Objektkunst, Literatur, Philosophie, Kunstgeschichte.

Dem aufschlussreichen Gespräch der Beteiligten Gegenstände kann man glücklicherweise auch von zuhause aus lauschen: https://soundcloud.com/spruethmagers

http://www.spruethmagers.com/exhibitions/409

 

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