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Mein erster Ausstellungsbesuch 2016 führt mich in die Bundeskunsthalle nach Bonn. Ich bin schon einige Male hier gewesen, doch richtig für sich eingenommen hat mich dieses Haus erst durch die kleine und so wunderbar poetische Ausstellung She, fully turning around, became terrestrial‘ von Petrit Halilaj im vergangenen Herbst.

Für den Besuch der Ausstellung ‚Isa Genzken – Modelle für Außenprojekte‘ habe ich mir einen verschneeregneten Samstag Mitte Januar ausgesucht. Ein ganz hervorragendes Wetter für einen Museumsbesuch. Und ich bin mit dieser Einschätzung an diesem Tag ganz offensichtlich nicht alleine. Das Entree ist mit Besuchern gut gefüllt. Alle streben in die große Ausstellungshalle, um letztmalig ‚Hanne Darboven – Zeitgeschichten‘ oder ins Obergeschoss, um ‚Japans Liebe zum Impressionismus‘ zu sehen. Von überall erklingen die Stimmen der Guides, Klappstühle werden getragen, Gruppen finden sich, erobern sich die Räume. Dem aufmerksamen Wachpersonal sieht man die Anspannung an. Überall Hektik bis zur Erschöpfung. Auf den Bänken müde Besucher, rote Wangen, geschlossene Augen.

‚Vollmond‘ 1997 Münster, Wiesen am Aasee, Nähe Annette-Allee, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 1997‘ realisiert/aktueller Standort: Gnadendorf/Wenzersdorf, Österreich Modell, 2015, Maßstab 1:75 Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz, LED 150 x 50 x 95 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Vollmond‘
1997
Münster, Wiesen am Aasee, Nähe Annette-Allee, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 1997‘
realisiert/aktueller Standort: Gnadendorf/Wenzersdorf, Österreich
Modell, 2015, Maßstab 1:75
Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz, LED
150 x 50 x 95 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Meine‘ Ausstellung führt mich am Trubel vorbei, ins ‚Kabinett‘ der Bundeskunsthalle. Vorbei am gläsernen Pförtnerhäuschen der Überwachungszentrale, durch einen Flur, zum freundlichen Herrn der Einlasskontrolle, einmal noch um die Ecke, ein kleiner Gang mit den biografischen Daten und einem Foto der Künstlerin an der Wand. Dann nach rechts.

In einer modellhaften Draufsicht würde sich die Besonderheit dieses Gebäudeteils noch deutlicher offenbaren. Diese Loge, dieser Gang: Das alles wirkt wie ein ‚Draußen‘ im ‚Drinnen‘. Wie durch eine Schleuse betritt man diesen appendixhaften Ausstellungsraum. Links, Rechts, Links, Rechts. Und dann dies:

Isa Genzken Projekt für ‚Münster 2007/2017 „Macy’s Parade“, 2015 Münster, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 2017‘ bisher nicht realisiert Modell, 2015, Maßstab 1:75 Kunststoff, Acrylfarbe, Metall, Holz 153 x 50 x 50 cm Foto: David Ertl, 2016 Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Isa Genzken
Projekt für ‚Münster 2007/2017 „Macy’s Parade“, 2015
Münster, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 2017‘
bisher nicht realisiert
Modell, 2015, Maßstab 1:75
Kunststoff, Acrylfarbe, Metall, Holz
153 x 50 x 50 cm
Foto: David Ertl, 2016
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Eine Parade zur Begrüßung! Wie großartig! Und es wird noch besser: Es ist eine Parade auf Münsters Prinzipalmarkt. Da fährt man zwei Stunden nach Bonn und das erste Modell ist gleich die Projektion einer Idee für die Skulptur Projekte Münster 2017. Ein Blick in die Zukunft.

Und so funktioniert diese Ausstellung: alle hier versammelten Modelle sind zum Zeitpunkt ihres Entstehens der manifeste Ausdruck der Vorstellungskraft der Künstlerin. Sie zeigen modellhaft die Vereinigung von Ort und Kunstwerk zu einer gewünschten und vorstellbaren Einheit.

Entlang der Wände stehen Modelle für Gebäude, Skulpturen, Denkmäler, Interventionen, Projektionen. Jedes auf einem Sockel, perfekt ausgeleuchtet, ein Kunstwerk für sich. An der Wand begleiten Werktexte und Fotos die Objekte, beschreiben, erklären, ordnen ein.

Isa Genzken ‚Rose‘ 1993 Baden-Baden, Park der Villa Schriever realisiert Modell, 2015, Maßstab 1:50 Kunststoff, Acrylfarbe, Holz 165 x 50 x 70 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Isa Genzken
‚Rose‘
1993
Baden-Baden, Park der
Villa Schriever
realisiert
Modell, 2015, Maßstab 1:50
Kunststoff, Acrylfarbe, Holz
165 x 50 x 70 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Bald kommt es mir so vor, als ginge ich als Riese durch eine Stadtlandschaft. Vorbei an Museen, Banken, einem Gerichtsgebäude, durch ein Stadttor, einen Park, an einem See entlang, bis zu dieser prächtigen Villa am Rande der Stadt, in deren großzügigem Garten eine überdimensionierte Rose selbst dieses Gebäude, selbst diesen Garten, winzig erscheinen lässt.

‚Isa Genzken – Modelle für Außenprojekte‘ ist in der Übersicht der Werke zu Skulpturen im öffentlichen Raum nicht nur eine Art von Retrospektive. Viele der hier gezeigten Arbeiten sind schließlich nie verwirklicht worden oder waren nie ernsthaft zur Umsetzung erdacht.

Vielmehr, oder darüber hinaus, ist diese Ausstellung eine Introspektive. Sie führt innere und manifestierte Gedankengänge modellhaft vor Augen.

Genzken nutzt in einer bestechend detailgenauen Auseinandersetzung mit dem (nachgebildeten) Raum die Chance, nicht nur sich selbst in der Idee eines Projektes zu bestätigen, sondern vor allem Außenstehende, wie Beteiligte an den Entscheidungsprozessen, in die zugrundeliegenden Gedankengänge einzubinden.

Die Grundlagen für die Erstellung der Modelle sind vielfältig:

Einige entstehen im Rahmen von Ausstellungsprojekten und Kunstfestivals, wie etwa ‚Wäscheleine (dedicated to Michael Jackson)‘ für das Festival steirischer herbst 2010, ‚Untitled‘ für die Skulptur Projekte Münster 2007, ‚Vollmond‘ für die Skulptur Projekte Münster 1997 oder ‚Zwei Orchideen‘ für die 56. Venedig Biennale 2015.

Ausstellungsansicht Foto: David Ertl, 2016 Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Ausstellungsansicht
Foto: David Ertl, 2016
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Vollmond‘ 1997 Münster, Wiesen am Aasee, Nähe Annette-Allee, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 1997‘ realisiert/aktueller Standort: Gnadendorf/Wenzersdorf, Österreich Modell, 2015, Maßstab 1:75 Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz, LED 150 x 50 x 95 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Vollmond‘
1997
Münster, Wiesen am Aasee, Nähe Annette-Allee, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 1997‘
realisiert/aktueller Standort: Gnadendorf/Wenzersdorf, Österreich
Modell, 2015, Maßstab 1:75
Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz, LED
150 x 50 x 95 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Isa Genzken Untitled (Ohne Titel) 2007 Münster, Nähe Liebfrauen-Überwasserkirche, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 2007‘ realisiert Modell, 2015, Maßstab 1:50 Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz 164 x 50 x 50 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Isa Genzken
Untitled (Ohne Titel)
2007
Münster, Nähe Liebfrauen-Überwasserkirche, anlässlich der ‚Skulptur Projekte Münster 2007‘
realisiert
Modell, 2015, Maßstab 1:50
Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz
164 x 50 x 50 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Zwei Orchideen‘, 2015 Venedig, 56. Biennale Venedig, Giardini realisiert Stahl, Aluminium, Lack Höhe 1038 cm Foto: David Ertl, 2016 Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Zwei Orchideen‘, 2015
Venedig, 56. Biennale Venedig, Giardini
realisiert
Stahl, Aluminium, Lack
Höhe 1038 cm
Foto: David Ertl, 2016
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

 

Andere sind Einreichungen für Wettbewerbe oder öffentliche Ausschreibungen, wie ‚Brücke Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft …‘, ‚Projekt für ‚Kunst und Windenergie‘‘ oder ‚Holocaust Memorial‘.

Isa Genzken ‚MoMA‘ 2013 Projekt für New York, Fassade des Museum of Modern Art, anlässlich der dortigen Retrospektive von Isa Genzken nicht realisiert Modell, 2015, Maßstab 1:100 Kunststoff, Acrylfarbe, Holz 168 x 60 x 50 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Isa Genzken
‚MoMA‘
2013
Projekt für New York, Fassade des Museum of Modern Art, anlässlich der dortigen Retrospektive von Isa Genzken
nicht realisiert
Modell, 2015, Maßstab 1:100
Kunststoff, Acrylfarbe, Holz
168 x 60 x 50 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Wieder andere entstehen im Rahmen von Einzelausstellungen oder als Vorstufen zu Auftragswerken, wie ‚MoMA‘ für das Museum of Modern Art 2013, ‚Ohr‘ für das Rathaus in Innsbruck 2002 oder ‚Fenster‘ für das Museum Dhondt-Dhaenens 1998.

Außerdem gibt es Arbeiten, bei denen ich mir nur schwer vorstellen kann, dass Genzken tatsächlich eine Umsetzung in Betracht gezogen hat, die also noch einmal viel mehr über die Innenwelt der Künstlerin in ihrer Auseinandersetzung mit der Außenwelt offenbaren.

‚Deutsche Bank Proposal‘ (Deutsche Bank Vorschlag), 2000 Projekt für New York, ehemaliges AT&T Gebäude nicht realisiert Modell, 2015, Maßstab 1:250 Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz 270 x 80 x 50 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Deutsche Bank Proposal‘ (Deutsche Bank Vorschlag), 2000
Projekt für New York, ehemaliges AT&T Gebäude
nicht realisiert
Modell, 2015, Maßstab 1:250
Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz
270 x 80 x 50 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

‚Deutsche Bank Proposal‘, zwei riesige Teleskop Antennen wie man sie von Transistorradios kennt, auf der Giebelspitze des ehemaligen AT&T Gebäudes in New York etwa, oder ‚Tulpen‘, einer Außenskulptur am Autobahnstadtring Amsterdam, zu der Genzken in einem Fragebogen unter ‚Description‘ schreibt:

‚Auf dem Weg nach Amsterdam sollten vier 30 Meter hohe Stahltulpen im Winde leicht schwingend die Autofahrer links und rechts der Autobahn begrüßen. (Jede Blüte in ihrer eigenen Farbe)

(eventually reasons why the work has not been realized)

Die Amsterdamer Kommission fühlte sch auf den Arm genommen. Höchstwahrscheinlich auch zu teuer.’

‚Tulpen‘, 1988 Projekt für Amsterdam, Straße, anlässlich des von der Stadt Amsterdam ausgeschriebenen öffentlichen Wettbewerbs ‚Amsterdam City Gates‘ nicht realisiert Modell, 2015, Maßstab 1:200 Kunststoff, Acrylfarbe, Holz 160 x 50 x 70 cm Foto: David Ertl, 2016 Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Tulpen‘, 1988
Projekt für Amsterdam, Straße, anlässlich des von der Stadt Amsterdam ausgeschriebenen öffentlichen Wettbewerbs ‚Amsterdam City Gates‘
nicht realisiert
Modell, 2015, Maßstab 1:200
Kunststoff, Acrylfarbe, Holz
160 x 50 x 70 cm
Foto: David Ertl, 2016
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Ohnehin kommt der Humor in den Arbeiten nicht zu kurz. ‚Haare wachsen, wie sie wollen’ von 2002 oder die ‚Wäscheleine für Frankfurt‘ von 1991 – ein nicht realisiertes Projekt für die Frankfurter Skyline, bei dem eine mit einem 4×8 m großem Tuch behangene Wäscheleine zwischen Commerzbank und HeLaBa gespannt worden wäre – zeugen von dieser humorvollen und zugespitzten Auseinandersetzung mit den Veränderungen von Zivilisationsräumen.

‚Wäscheleine für Frankfurt‘, 1991 Projekt für Frankfurt, zwischen zwei Hochhäusern, als Beitrag zu ‚Der Öffentliche Blick‘, Jahrbuch für Moderne Kunst, hrsg. von Kasper König und Hans Ulrich Obrist nicht realisiert Modell, 2015, Maßstab 1:500 Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz 145 x 50 x 50 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚Wäscheleine für Frankfurt‘, 1991
Projekt für Frankfurt, zwischen zwei Hochhäusern, als Beitrag zu ‚Der Öffentliche Blick‘, Jahrbuch für Moderne Kunst, hrsg. von Kasper König und Hans Ulrich Obrist
nicht realisiert
Modell, 2015, Maßstab 1:500
Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz
145 x 50 x 50 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

 

 

 

 

Im hinteren Teil des Ausstellungsraumes finden sich in Vitrinen zahlreiche Fotografien, Kataloge und Pläne, die die gezeigten Werke mit zusätzlichen Hintergrundinformationen einordnen und ergänzen. Sie runden das Bild einer gelungen Präsentation ab und bestätigen mir zudem, dass die gezeigten Modelle wie ein eigenständiger Werkkomplex gesehen werden können, allzumal dann, wenn es zu keiner Realisierung kam oder kommen sollte.

In diesem Bereich des Ausstellungsraums befinden sich auch Modelle für eine Arbeit, die gemeinsam mit Gerhard Richter für die U-Bahn Station ‚König-Heinrich-Platz‘ in Duisburg entstanden ist, und die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie sich in der Gestaltung des Ortes mit einem Raum auseinandersetzt, der durch seine Unsichtbarkeit im städtischen Umfeld geprägt ist. Die Kunst und die Kunst der Auseinandersetzung mit der Stadt werden hier unter die Erde verbracht und schaffen so selbst in der beengten und horizontlosen Umgebung einer U-Bahn Station den Moment der Korrespondenz.

‚U-Bahn Duisburg‘, 1992 Duisburg, U-Bahn Station König-Heinrich-Platz (in Zusammenarbeit mit Gerhard Richter) realisiert Lack auf Stahlwandpaneelen Installationsansichten, 2014 Digitaldrucke, 47 x 70 cm Foto: David Ertl, 2016 Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚U-Bahn Duisburg‘, 1992
Duisburg, U-Bahn Station König-Heinrich-Platz (in Zusammenarbeit mit Gerhard Richter)
realisiert
Lack auf Stahlwandpaneelen
Installationsansichten, 2014
Digitaldrucke, 47 x 70 cm
Foto: David Ertl, 2016
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚U-Bahn Duisburg‘, 1992 Duisburg, U-Bahn Station König-Heinrich-Platz (in Zusammenarbeit mit Gerhard Richter) realisiert Lack auf Stahlwandpaneelen Installationsansichten, 2014 Digitaldrucke, 47 x 70 cm Foto: Lothar Schnepf Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

‚U-Bahn Duisburg‘, 1992
Duisburg, U-Bahn Station König-Heinrich-Platz (in Zusammenarbeit mit Gerhard Richter)
realisiert
Lack auf Stahlwandpaneelen
Installationsansichten, 2014
Digitaldrucke, 47 x 70 cm
Foto: Lothar Schnepf
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

‚Isa Genzken – Modelle für Außenprojekte‘ ist eine Grand Tour durch die Gedankenwelt der Künstlerin, zu entfernten Ausstellungsorten, in die Vergangenheit und in die Zukunft. Die Ausstellung verdeutlicht, wie schon das Modell eine kraftvolle Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten des jeweiligen Ortes ist. Sie zeigt, wie sehr dieses Thema die Arbeiten von Isa Genzken prägt, und wie wichtig ihr bei allem Minimalismus auch der Blick des Betrachters und Bewohners dieser Räume ist, der sich mit seinem ‚Lebensraum‘ identifiziert oder zumindest hinterfragend beschäftigt.

Isa Genzken ‚Ring‘ 1988 Rotterdam, Mauritsplaats, anlässlich von ‚Rotterdam ‘88 – sculpture in the city/the city as a stage‘ realisiert/zerstört Modell, 2015, Maßstab 1:100 Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz 158 x 50 x 50 cm Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Isa Genzken
‚Ring‘
1988
Rotterdam, Mauritsplaats, anlässlich von ‚Rotterdam ‘88 – sculpture in the city/the city as a stage‘
realisiert/zerstört
Modell, 2015, Maßstab 1:100
Kunststoff, Metall, Acrylfarbe, Holz
158 x 50 x 50 cm
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Eines der Wandzitate lautet:

‚Ich verknüpfe gerne Dinge, die vorher zusammenhanglos dastanden; diese Verbindung ist wie ein Händedruck zwischen Menschen.‘

Wenn man durch diese Ausstellung als Modellstadt ihrer Arbeiten geht, mit offenen Augen für die Details, die Formen, den Witz, die Kritik, die Schönheit, dann erlebt man diese Verknüpfung auch hier, im Kleinen, in den Details.

‚Offenheit‘, lautet Genzkens Antwort auf die Frage, was sie als Künstlerin von der Öffentlichkeit erwarte.

Isa Genzken Ausstellungsansicht Foto: David Ertl, 2016 Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Isa Genzken
Ausstellungsansicht
Foto: David Ertl, 2016
Courtesy Galerie Buchholz Köln/Berlin/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

In und durch die Modelle erfahren wir als Besucher und Betrachter den Raum en miniature neu, in dem und mit dem wir leben. Im Kleinen wie im Großen stößt die Künstlerin hier ein Fenster zu neuen Erfahrungshorizonten auf.

 

 

Mein Lieblingsmodell: ‚Projekt: ABC‘ für die Skulptur Projekte 1987. ‚Beton ist forcierte Natur‘, formuliert Isa Genzken in ihrer Projektbeschreibung, und ‚die Rohbau-Konstruktionen der Neubauten finde ich interessanter, weil das rationale Denken der Ingenieure mehr mit Wahrheit zu tun hat, als die routinemäßige Verdeckung der Fassade mit pseudo-edeln Materialien.‘

Schon im Modell wird deutlich, wie die beiden ‚Torbögen‘ auf der ehemaligen Passage entlang der ULB nicht nur Eingang und Durchgang sind, sondern eben auch die zweckmässige Architektur des Gebäudes aufnehmen und in den Raum tragen wollen. Sie sind die unfertigen Wände, Türen und Fenster und nehmen in ihren Elementen aus Stahl und Beton die zeitgemäße Bauweise in höchstmöglicher Konzentration auf, bleiben dabei allerdings fast schon bedenklich filigran und leicht.

Ein Modell dieser Arbeit, die leider nicht mehr existiert, findet sich auch im Archiv der Skulptur Projekte im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Neben den Katalogtexten und Fotografien sind es diese Modelle gerade für Arbeiten, die inzwischen zerstört wurden, die die Erinnerung an die Kraft der Interventionen von Isa Genzkens Werken retrospektiv veranschaulichen.

‚Isa Genzken – Modelle für Außenprojekte‘ in der Bundeskunsthalle, Bonn, bis zum 17. April 2016.

Dienstag und Mittwoch 10 – 21 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 10 – 19 Uhr.

 

 

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