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Triennale Brügge 2015, Moderne Kunst und Architektur im historischen Stadtkern von Brügge

Von den 118.000 Einwohnern leben im historischen Zentrum Brügges ca. 20.000 Menschen. Jedes Jahr besuchen über 5.000.000 Touristen die Stadt, und dabei vor allem eben dieses historische, mittelalterliche, schmucke Kleinod mit seinen Reien, seinen historischen Gebäuden, dem beeindruckenden Belfried, dem Begijnhof, dem Grote Markt, der Kathedrale St. Salvator, der Heilig-Blut-Basilika, engen Gassen, alten Wohnhäusern und vielen sehenswerten Anziehungspunkten mehr.

Triennale Brügge Logo (c) Barlock

Triennale Brügge
Logo
(c) Barlock

In diesem Sommer wird das Stadtbild durch eine weitere Attraktion bereichert, die sich mit eben dieser Diskrepanz zwischen Einwohner- und Besucherzahl und den sich daraus ergeben Herausforderungen, Problemen, Möglichkeiten etc. beschäftigt. Die Triennale Brügge 2015 bespielt mit künstlerischen wie architektonischen Eingriffen in den Stadtraum eben diese Fläche, die sowohl von den Millionen Touristen, als auch den Einheimischen tagtäglich be- und genutzt wird.

Ausgangsfrage aller Installationen moderner Kunst und Architektur im historischen Stadtkernen Brügges ist dabei: Was würde eigentlich mit einer Stadt, dem Stadtraum, den Menschen, der Umwelt, der Idee von Leben in der Stadt geschehen, wenn die fünf Millionen Touristen sich entscheiden würden, in Brügge zu leben? Oder, wie es im Konzept zur Triennale heisst: Was wäre, wenn eine unter Denkmalschutz stehende historische Stadt wie Brügge sich plötzlich in eine Megapolis verwandeln würde?

Diese Frage stellen sich und dieser Frage stellen sich 18 Künstler, deren Arbeiten sich mit den verschiedenen Aspekten städtischen Lebens vor dem Hintergrund wachsender Urbanisierung beschäftigen. Dabei geht es neben den Veränderungen im Zusammenleben, den Umweltveränderungen, der veränderten Wohnsituation auch um die Themen Wirtschaft und Energie.

Daniël Dewaele THE PASSAGE ROOM (c) Sarah Bauwens

Daniël Dewaele
THE PASSAGE ROOM
(c) Sarah Bauwens

Die Stadt begrüßt die vorstellbaren Einwohner gleich auf dem Bahnhofsvorplatz mit dem ‚Passage Room‘ von Daniël Dewaele, einem Container, in dem den Neuankömmlingen Fragebögen ausgehändigt werden, um ihre Wünsche und Bedürfnisse an die neue Heimat zu hinterfragen. In einem Video beantworten Zugereiste die Frage ‚Welches Element Ihrer Kultur würden Sie nicht aufgeben wollen, wenn Sie hier wohnten?‘  und Interessenten können sich einen Button mit der Aufschrift ‚Hilfe, ich bin der 5.000.000. Einwohner von Brügge‘, erhältlich in neun verschiedene Sprachen, anstecken.

Tadashi Kawamata TREE HUTS IN BRUGES

Tadashi Kawamata
TREE HUTS IN BRUGES

Tadashi Kawamata TREE HUTS IN BRUGES

Tadashi Kawamata
TREE HUTS IN BRUGES

 

 

 

 

 

 

Im Beginenhof, tief im historischen Stadtzentrum, einem Ort der Ruhe und Besinnung, hat der japanische Künstler Tadashi Kawamata, unerreichbar für die Besucher, kleine Baumhäuser in den Bäumen installiert. Sie wirken einerseits wie Fremdkörper, die vielleicht auch eine Reminiszenz an den, nach heutigen Maßstäben von sozialem Leben und Geschwindigkeit aus der Zeit gefallenen Lebensstil der Beginn sind, andererseits sind sie aber auch Sehnsuchtsorte im Trubel des touristischen Stadtalltags. Sie sind Ausdruck für den Wunsch nach Ruhe wie nach Individualität in einer Megapolis.

HeHe UNDERCURRENT

HeHe
UNDERCURRENT

In einen der Kanäle Brügges, direkt vor Europas ältestem Krankenhaus, dem bis ins 20. Jhd. genutzten Oud Sint-Janshospitaal, hat das Künstlerkollektiv HeHe einen Hochspannungsmast versenkt, dessen Spitze aus dem Wasser ragt und gleichsam Fremdkörper als auch Mahnmal in den mauern dieser mittelalterlichen Stadt ist.

HeHe UNDERCURRENT

HeHe
UNDERCURRENT

Auch wenn man einer Stromversorgung im Innenstadtbereich gar nicht gewahr wird, fast vermuten möchte es gäbe hier noch eine wesentlich ursprünglichere Form der Energieversorgung und fast schon hofft, dass eine solche Stadt auf die Profanität Strom, verteilt durch Kabel, Leitungen, Masten, Anschlüsse, verzichten könnte: das Gegenteil ist der Fall. Der Hunger auch nach Strom ist bei der aktuellen Besucherfrequenz unermesslich, Energie Lebenselixier für die Stadt.

Song Dong WU WEI ER WEI (DOING NOTHING DOING)

Song Dong
WU WEI ER WEI (DOING NOTHING DOING)

Wie lässt sich das kulturelle Erbe einer Gesellschaft, einer Stadt, retten und lebendig erhalten, wenn die Anforderungen der Menschen an Raum, Infrastruktur, Erneuerung, stetig wachsen? Der chinesische Künstler Song Dong stellt mit seiner Installation, auch vor dem autobiografischen Hintergrund der Kulturrevolution, diese Frage in Brügge. Hier, wo eine vermeintlich heile Welt des Kulturerbes (nebenbei, Brügge war 2002 Europäische Kulturhauptstadt) eine direkte Auseinandersetzung mit der Geschichte noch ermöglicht, errichtet er eine Skulptur aus alten chinesischen Fenstern, die er aus Abbruchhäusern seiner Heimat gerettet hat.

Song Dong WU WEI ER WEI (DOING NOTHING DOING)

Song Dong
WU WEI ER WEI (DOING NOTHING DOING)

Der Titel ‚Wu Wei Er Wei (Doing Nothing Doing)‘ bezieht sich dabei auf die taoistische Idee des ‚Nichthandelns‘, dass heisst sich eines gegen die Natur gerichteten Handelns zu enthalten, nicht einzugreifen in ihr Werk.

 

Atelier Bow-Wow CANAL SWIMMER’S CLUB

Atelier Bow-Wow
CANAL SWIMMER’S CLUB

Stadtraum ist begrenzter Raum und ausserdem neben seiner Eigenschaft als Wohn- und Arbeitsraum auch der Raum, der genutzt werden muss für die Freizeitaktivitäten der Städter. Wenn der hektische Berufsalltag, die schiere Größe einer Stadt, Verkehrsinfarkte oder einfacher die Unlust den Menschen der Megapolis davon abhält, sie für die Freizeitaktivität zu verlassen, dann muss eben der Stadtraum selbst diese Möglichkeiten schaffen.

Atelier Bow-Wow CANAL SWIMMER’S CLUB

Atelier Bow-Wow
CANAL SWIMMER’S CLUB

Dem Architektenkollektiv Atelier Bow-Wow ist diese Notwendigkeit aus der Heimatstadt Tokio nicht fremd, und so scheint es sehr naheliegend, dass sie in Brügge eine Fläche hierfür erschaffen. An einer Kanalgabelung findet sich mit dem ‚Canal Swimmer‘s Club’ eine schwimmende Freizeitinsel. Hier ist Platz zum entspannen, baden, diskutieren, dösen. Ein wunderbar erholsamer Ort in der vorstellbaren Hektik einer Fünfmillionenstadt.

Wie gehen Einheimische und Besucher miteinander und mit der Stadt, der vielleicht ja neuen, gemeinsamen Heimat, um? Was für Fragen stellen sie sich und wie sehen sie die Stadt?

Vibeke Jensen 1:1 CONNECT: DIAMONDSCOPE

Vibeke Jensen
1:1 CONNECT: DIAMONDSCOPE

Vibeke Jensen gestaltet mit ihrem ‚Diamondscope‘ auf dem Grotte Markt einen Raum, der die Beantwortung der Fragen zulässt. Von Aussen eine Spiegelfläche, die in ihrem Diamantenschliff das Stadtbild wie die Betrachter bricht und neu zusammensetzt, bietet die Installation im Inneren Platz für zwei Personen und den exklusiven Blick nach Aussen.

Vibeke Jensen 1:1 CONNECT: DIAMONDSCOPE

Vibeke Jensen
1:1 CONNECT: DIAMONDSCOPE

In der intimen Atmosphäre des rot ausgekleideten Raumes, wird die Hektik des Markt- und Handelsplatzes unter dem Belfried zu einem Ort der Möglichkeiten für einen ruhigen Dialog und die Besinnung auf den eigenen Stellenwert in der städtischen Gesellschaft.

Dies waren nur sechs Beispiele, wie die Brügge Triennale mit ihrem Thema Kunstler inspiriert hat, sich mit städtischen Prozessen zu beschäftigen. Ein Großteil der Arbeiten befindet sich, wie beschrieben, im öffentlichen Raum und ist daher uneingeschränkt und kostenlos zugänglich. Drei Gebäude (De Bond, Rathaus und Arentshuis) beherbergen weitere Ausstellungen, die zu den jeweiligen Öffnungszeiten kostenlos besucht werden können. Darüber hinaus finden während der Laufzeit der Triennale zahlreiche Veranstaltungen unterschiedlichster Form und zu unterschiedlichsten Themen im Zusammenhang mit dem Konzept in der Innenstadt statt.

Für den Gang durch die Stadt, und um darüber Hinaus ein sehr gutes Gefühl für die Idee der Triennale zu bekommen, empfehle ich den ‚Wanderführer‘, der für 9,95€ ein idealer Begleiter durch die Stadt ist. Das Konzept, alle Arbeiten, die Künstler und die Orte ihrer Installationen werden vorgestellt und in verschiedenen Rundgängen verbunden. So lässt sich nicht nur die Kunst, sondern vor allem auch diese wunderbare Stadt bestens erleben.

Für 29,95€ gibt es darüber hinaus einen umfangreichen, ‚klassischen‘, Katalog, der die Erinnerung an Ausstellung und Brügge aufrecht erhält, so lange man nicht dorthin gezogen ist.

Triennale Brügge 2015, Moderne Kunst und Architektur im historischen Stadtkern von Brügge, vom 20. Mai bis 18. Oktober.

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