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Nan Goldin in der Kestnergesellschaft, Hannover

Nan Goldin Sisters, 2010 Chromogenic Print 61 x 150 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin
Sisters, 2010
Chromogenic Print
61 x 150 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Die – oftmals schonungslose – Auseinandersetzung mit den Themen Liebe, Sexualität, Identität, Krankheit und Tod prägt das fotografische Werk von Nan Goldin. Sie begleitet das Leben der Menschen in ihrem Umfeld, das ihrer Freunde und Partner, mit dem dokumentarischen Blick einer Fotografin, die durch ihre Fotos auch ihre eigene Geschichte erzählt. Und sie ist sich dabei immer der Tatsache bewusst, dass ein Foto gleichsam ein Standbild dieser Geschichte ist. Ihren Bildern sieht man daher auch die Bewegung an, die sie bedingt haben, die Emotion, die sie in ihren Darstellungen bannt, übertragen sich auf den Betrachter und können sich dort wieder offenbaren.

Um die Limitiertheit des Einzelbildes im Kontext einer zu erzählenden Geschichte zu beheben, hat Nan Goldin sie in Slideshows aneinandergereiht. Erzählend begleitet ergibt sich so der filmische Eindruck einer gewünschten Dramaturgie. Die Kestnergesellschaft präsentiert mit „Scopophilia“ (2010) eine solche Slideshow, ergänzt um Einzelbilder und weitere Werke der Künstlerin.

„Scopophilia“, die „Liebe des Schauens“, ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit den Werken des Pariser Louvre, in dem Nan Goldin 2010 die Chance hatte ganz alleine und frei in der Entscheidung, was sie fotografieren wollte, zu wandeln. Diese Chance nutzte sie, um hier Porträts  von Porträts zu erstellen, in denen sich häufig ihre bekannten Themenwelten widerspiegeln: Amor und Psyche, Venus, Narziss, Morpheus und andere mythologische, aber auch historische Figuren werden zu Protagonisten der neu zu erzählenden Geschichte.

Nan Goldin The Look, 2014 Chromogenic Print 61 x 167 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin
The Look, 2014
Chromogenic Print
61 x 167 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Und in dieser neuen Geschichte geht es über die Liebe des Schauens auch darum, Gemeinsamkeiten zu erkennen zwischen den Kunstwerken, die sie abfotografiert und den Motiven,  Menschen, die sie fotografiert hat.

So sind die Blicke, die Gestik und Mimik, die Körperlichkeit und die Sinnlichkeit vieler ihrer zahlreichen eigenen Motive aus den vergangenen 40 Jahren wie Echos derselben Attribute auf den Bildern und Skulpturen im Louvre und in der direkten Konfrontation miteinander beweisen sie ihre bleibende Stärke. Sowohl in der Hängung der Einzelbilder aus „Scopophilia“, als auch in ihrer Aneinanderreihung in der Slideshow, entfaltet sich diese Stärke als bewegende und berührende Konfrontation. Und während man Nan Goldins Stimme aus dem Off hört, die in Tiefe, Brüchigkeit, Verzweiflung und Zuneigung Autobiografie ist, meint man auch diese überwältigte Rührung zu hören, die sie selbst wie uns befällt in der Bewusstwerdung der unglaublicher Parallelen.

Nan Goldin The Back, 2011 Chromogenic Print 45 x 57 inches; 114 x 145 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin
The Back, 2011
Chromogenic Print
45 x 57 inches; 114 x 145 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Und wenn an anderer Stelle eine Stimme aus Ovids Metamorphosen liest, so ist auch diese Geschichte in beiden Bildwelten zuhause. So sehr sie auch verwurzelt ist in griechischer und römischer Mythologie, so sehr erzählt sie mit ihren Tragödien, Lieben, Abenteuern und Toden eine ewig junge Geschichte, wie die Bilder Goldins stark beweisen.

„Scopophilia“ hat mich tatsächlich zutiefst gerührt. Es ist in Bild und Ton eine bewegende, einfühlsame und doch direkte Auseinandersetzung mit dem Leben und auch mit unserem Wunsch es in all seinen Facetten fassen und erfassen zu können, mit dem Bewusstsein, dass wir scheitern.

Nan Goldin Odalisque, 2011 Chromogenic Print 45 x 66 1/2 inches; 114 x 169 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin
Odalisque, 2011
Chromogenic Print
45 x 66 1/2 inches; 114 x 169 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Ich glaube es zeugt auch vom Wunsch der Künstlerin mit diesem emotionalen wie kunsthistorischen Brückenschlag unter unter diesem Titel das eigene Werk und das eigene Leben, das so stark mit ihm verwoben ist, zu rekapitulieren.

„Scopophilia“ wird von einer Gruppe von fotografischen Gegenüberstellungen mit dem Titel „Saints“ begleitet. Jeweils zwei Einzelbilder sind in dieser Gruppe übereinander gehängt. Das obere Foto zeigt dabei ein aus seinem ursprünglichen Kontext befreites Porträt aus einem historischen Gemälde, während das untere Bild die Aufnahme einer Person aus Nan Goldins Freundeskreis in Berlin ist. Und so wie vielleicht die Heiligen der Gemälde die Freunde beschützen, so vermitteln die Fotos ihrer Freunde den Eindruck, als wären sie Goldins Heilige und Beschützer, Ruhepole und Rückzugsorte, Stärkung und Besinnung.

St. Sebastian, Puvis de Chavannes, 2011 Archival pigment Print 20 x 15 inches; 51 x 38 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

St. Sebastian, Puvis de Chavannes, 2011 Archival pigment Print
20 x 15 inches; 51 x 38 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin Clemens, Paris, 2005 Archival pigment Print 30 x 30 inches; 76 x 76 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York Nan Goldin

Nan Goldin
Clemens, Paris, 2005
Archival pigment Print
30 x 30 inches; 76 x 76 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York
Nan Goldin

Nan Goldin Pawel, NYC, 1996 Archival pigment Print 30 x 30 inches; 76 x 76 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin
Pawel, NYC, 1996
Archival pigment Print
30 x 30 inches; 76 x 76 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin Portrait d'un graveur en pierres fines, Pontormo, 2011 Archival pigment Print 20 x 15 inches; 51 x 38 cm Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldin
Portrait d’un graveur en pierres fines, Pontormo, 2011
Archival pigment Print
20 x 15 inches; 51 x 38 cm
Courtesy die Künstlerin und Matthew Marks Gallery, New York

Nan Goldins Bilder lassen nicht unberührt. Ich habe jedenfalls lange nichts so bewegendes mehr gesehen wie diese Bildfolgen, die noch einmal und in ungebrochener Stärke die erzählende Macht ihrer und der Fotografie grundsätzlich beweist. Nan Goldin am Eröffnungsabend der Ausstellung persönlich getroffen zu habe und mit ihr ins Gespräch gekommen zu sein ist darüber hinaus eine eindringliche und nicht minder berührende Erfahrung gewesen. Es ist gut, dass diese Ausstellung nur den Namen der Künstlerin als Titel trägt. Nichts lenkt so ab von der elementaren Verbindung von Bild und Biografie, ihr Name wird zum Synonym für dieses Leben.

Zur Ausstellung „Nan Goldin“ erscheint ein Katalog bei Steidl mit einem Essay der Kuratorin Lotte Dinse.

„Nan Goldin“ in der Kestnergesellschaft, Hannover, bis zum 27.09. 2015

Täglich und an Feiertagen 11-18 Uhr, Donnerstag 11-20 Uhr, Montag geschlossen

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