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„Paris im Blick – Eine Stadt und ihre Fotografen“ im Picasso-Museum, Münster

Hugues Lawson-Body, Jeunes Parisiens, © Hugues Lawson-Body

Hugues Lawson-Body, Jeunes Parisiens, © Hugues Lawson-Body

Noch eine Liebeserklärung an die Stadt der Liebeserklärungen? Muss das sein? Nein, muss es sicher nicht. Und es ist gut, dass die Ausstellungsmacher des Picasso-Museum in Münster sich auch dieser klischeebehafteten Idee einer Annäherung an die Stadt nicht hingegeben haben.

Stattdessen „Paris im Blick – Eine Stadt und ihre Fotografen“.

Die Idee, die Stadt, diese Stadt insbesondere, zu einem lebendigen Organismus zu machen, ist ja nicht fremd. Paris verträgt es dabei vermutlich als Projektionsfläche menschlicher Gefühle, Sehnsüchte, Herausforderungen, besonders gut, eine eigene Persönlichkeit entwickelt zu haben. Und Paris lässt fremde Blicke zu. Ist nicht nur Kulisse, nicht nur Eiffelturm, Seine, Montmartre, Champs-Élysées.

Paris ist als Organismus auch eine Stadt stetiger Veränderung. Und die Fotografen, Fotokünstler, Dokumentaristen haben mit ihrem Blick nicht nur einen subjektiven Fokus gefunden, sondern auch diese Veränderung festgehalten.

Diese Stadt hat sich immer schon bitten lassen, wenn es darum geht, ihre eigenen Emotionen zu offenbaren. Die Ausstellung folgt daher sinnvollerweise nicht einem touristischen Rundgang, sondern orientiert sich in ihrem Aufbau an der konzeptuellen und dramaturgischen Herangehensweise der Fotografen, die sich Paris im 20. Jahrhundert näherten und unseren „Blick“ prägten.

„Der politische Blick“, „Der fernöstliche Blick“, oder „Der erotische Blick“ sind u.a. die einzelnen Räume betitelt.

Eugène Atget, Rue Laplace et Rue Valette, Paris, 1926

Eugène Atget, Rue Laplace et Rue Valette, Paris, 1926

Präsentiert werden Werke von Eugène Atget, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Paris bis in die kleinsten Details dokumentierte, der fotografischer Archivar von Stadtteilen, Straßenzügen, Gebäuden, Schaufenstern, Menschen wurde, bis zu jungen Positionen, wie denen von Hugues Lawson-Body, dessen Serie „Jeunes Parisiens“ ein Spiegel der heutigen Lebenswelten ist,

Hugues Lawson-Body, Jeunes Parisiens, © Hugues Lawson-Body

Hugues Lawson-Body, Jeunes Parisiens, © Hugues Lawson-Body

durch die Paris seine Lebendigkeit und Wandlungsfähigkeit erhält, und die sich erlaubt, Paris als Kulisse fast vollständig auszublenden.

Besonders fasziniert hat mich der „fernöstliche Blick“. Präsentiert werden Fotografien aus dem Paris-Fotobuch „Paris et la Seine“ des japanischen Fotografen Shinzo Fukuhara von 1922. Fukuharas Blick auf Paris entlang der Seine ist dabei nicht nur Dokumentation, sondern auch fotografische Avantgarde. Seine Fotos spiegeln fernöstliche Kunst im fernöstlichen Blick.

Shinzo Fukuhara Paris et la Seine, 1935

Shinzo Fukuhara
Paris et la Seine

Überraschend sind die Stereofotografien der Stadt, die Hitlers Haus- und Hoffotograf Heinrich Hoffmann anlässlich der Weltausstellung 1937 von Paris anfertigte. Mag in der 3D-Wirkung der Bilder damals auch eine faszinierende Kraft gelegen haben; vor dem Hintergrund der Ereignisse die folgen sollten und in ihrer Brachialität habe ich diesen politischen Blick doch eher als Vorboten eines künstlerischen und politischen Irrsinns verstanden.

Pierre Jouve, The Arrest, Aus 'Marianne brisée', Montreuil-sous Bois, 2009, © Pierre Jouve, Courtesy Werkstattgalerie BerlinPierre Jouve, Aus 'Marianne brisée', Montreuil-sous Bois, 2009, © Pierre Jouve, Courtesy Werkstattgalerie Berlin

Pierre Jouve, The Arrest, Aus ‚Marianne brisée‘, Montreuil-sous Bois, 2009, © Pierre Jouve, Courtesy Werkstattgalerie BerlinPierre Jouve, Aus ‚Marianne brisée‘, Montreuil-sous Bois, 2009, © Pierre Jouve, Courtesy Werkstattgalerie Berlin

Erschreckend eindringlich nah an die sozialen Realitäten des heutigen Paris führen uns die Fotografien des ehemaligen Journalisten Pierre Jouve, der 2006 die Arbeit der Polizei in Paris mit der Kamera begleiten durfte. Die hieraus entstandene Bildserie „Marianne Brisée / the dark side of Paris“, aus der in Münster einige Bilder gezeigt werden, ist schonungsloses Zeitdokument einer Stadt, in der zahlreiche Menschen vom sozialen Leben abgekoppelt und in Parallelwelten gedrängt leben und in ihrer Umsetzung trotz allem auch eine überzeugend künstlerische Arbeit.

Der „erotische Blick“ auf Paris wird in der Ausstellung unter anderem durch die Bilder der französischen Fotografin Bettina Rheims geprägt. Fotografien aus ihrer Serie „Chambre close“ zeigen den inszenierten Blick in die Bordellzimmer und auf die Prostituierten der Stadt. Paris, die aufgehübschte Hure, die alles zeigt und doch unnahbar und geheimnisvoll bleibt.

Peter Cornelius, Place Pigalle, 1959, Aus der Serie 'Farbiges Paris', 1956-1961, © Courtesy Nachlass Peter Cornelius-d´Hargues

Peter Cornelius, Place Pigalle, 1959, Aus der Serie ‚Farbiges Paris‘, 1956-1961, © Courtesy Nachlass Peter Cornelius-d´Hargues

Die Arbeiten von Peter Cornelius schließlich bringen Paris in den 50er Jahren zum leuchten. Die Farbfotografie ermöglicht es endlich, Lebendigkeit so darzustellen, wie sie sich auch unseren Augen offenbart. Die Stadt wird dadurch nicht unbedingt schöner. Vielmehr werden ihre vielfältigen Realitäten erfahrbarer. Vom strahlenden Neon an den Häuserwänden der Avenues bis zum abgeplatzten Putz in Braun und Grau in den Hinterhöfen: Paris wird noch facettenreicher.

Die meisten der rund 400 gezeigten Fotografien entstammen der Sammlung von Hans-Michael Koetzle, der diese Ausstellung als eigenständige Präsentation in der Fortsetzung von „Eyes on Paris“ (Deichtorhallen, Hamburg, 2011) nicht nur kuratiert, sondern sie vor allem sinnvoll ergänzt hat durch eine große Auswahl an Fotobüchern, Alben und Mappenwerken aus aller Welt. Vom genannten „Paris et la Seine“ von Shinzo Fukuhara bis zu Robert Frank „Paris“, über Brassaï „Paris bei Nacht“ zu Roger Melis „Paris zu Fuß“ – die Fülle der Werke und Bücher ist ein beeindruckender Beweis dafür, wie intensiv Künstler sich schon immer an dieser Stadt abgearbeitet haben und wie sehr sie dadurch – im Wandel der Zeit und diesem Wandel unterworfen – unseren Blick auf Paris geprägt und gelenkt haben.

„Paris im Blick – Eine Stadt und ihre Fotografen“ ist kein Touristenbus durch Paris, kein Madame Tussauds der Stadtansichten. Diese Ausstellung ist eine Einladung ausgetretene Pfade zu verlassen und vermeintlich Bekanntes neu zu entdecken. Denn was mit diesem „freien“ Blick in Paris funktioniert sollte doch in einer weniger dankbaren Umgebung noch reizvoller sein. Und, na gut, vielleicht ist sie auch eine Liebeserklärung an diese Stadt. Ganz sicher ist sie aber eine an die Fotografie, an ihre Geschichte und die Geschichten, die sie erzählen kann.

Peter Cornelius, Aus der Serie 'Farbiges Paris', 1956-1961, © Courtesy Nachlass Peter Cornelius-d´Hargues

Peter Cornelius, Aus der Serie ‚Farbiges Paris‘, 1956-1961, © Courtesy Nachlass Peter Cornelius-d´Hargues

„Paris im Blick – Eine Stadt und ihre Fotografen“, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, 9. Mai – 12. Juli 2015, Di-So, Feiertage 10-18 Uhr, montags geschlossen

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