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„Sebastião Salgado – Genesis“ im C/O, Berlin

In „Das Salz der Erde“, der von Wim Wenders in Co-Regie begleiteten Dokumentation über Leben und Werk des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, berichtet dieser über sein vielleicht erfolgreichstes Projekt:

Mit über zwei Millionen neu gepflanzter Bäume ist es ihm und seinen Helferinnen und Helfern gelungen, das Land seiner Eltern, die Farm seiner Kindheit, der Ödnis von Rodung und Erosion zu entreissen.

Salgados Wunsch war es nicht zuletzt, den Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass er in der Lage ist positive Veränderungen da zu bewirken, wo er durch direkte oder indirekte Zerstörung der Natur Raum oder dem Raum Natur genommen hat – wenn er nur ein Bewusstsein für die fragile Schönheit hat, die dem Ökosystem Erde innewohnt.

Was er in diesem Projekt durch konkrete Arbeit an der Natur umgesetzt hat, dass möchte er in den Bildern seines Langzeitprojektes „Genesis“ fotografisch vermitteln, die jetzt im C/O in Berlin erstmalig in Deutschland zu sehen sind:

Die Erde ist eine Wunderkammer, ihre Tiere, ihre Natur, die Landschaften sind

Schätze, deren Wert wir uns immer neu bewusst machen müssen. Und auf ihr leben Menschen, unberührt von zivilisatorischen Errungenschaften, die wir uns sehr wohl als Beispiel nehmen können.

Sebastião Salgado hat seit den 1970er Jahren als Fotograf vor allem die Krisenregionen dieser Erde bereist und das Schicksal der Menschen dokumentiert. Landarbeiter, Wanderarbeiter, Immigranten, Flüchtlinge, hungernde und sterbende Kinder und Erwachsene, verzweifelte, weinende Mütter, in Afrika, Südamerika wie in Europa zeigen die Bilder seiner immer auf viele Jahre angelegten und akribisch vorbereiteten Fotoprojekte.

Der Genozid in Ruanda nimmt ihm schließlich den Glauben an die Menschheit und lässt ihn krank an Körper und Seele zurück.

2004, mit dem Eindruck des Aufforstungsprojektes als positiver Bestärkung, beginnt Salgado die Arbeit an dem Projekt, dass im C/O umfangreich präsentiert wird: „Genesis“, gewidmet der Schönheit unberührter Natur, nahe dem Urzustand.

Die Ausstellung gliedert sich in die fünf geografischen bzw. thematischen Gebiete „Africa“, „Planet South“, „Northern Spaces“, „Amazonia & Pantanal“ sowie

„Sanctuaries“. Sie sind das Ordnungssystem, in dem in beeindruckenden Schwarzweissfotos die fast schon graphisch anmutenden Wüsten, die Luftaufnahmen silber glänzender Flussläufe, die kraftvollen Gletscher und Eisberge, majestätische Berge und Canyons, unberührter Regenwald und die Menschen, die in den entlegensten Orten dieses Planeten ihre Heimat bewahrt haben, dargestellt sind.

Salgados Bilder sind Dokument und Inszenierung zugleich. Die Entscheidung ausschließlich monochromer Darstellung entzieht die Bilder bei aller erkennbaren Realität der interpretierenden  Empfindungswelt des Betrachters. Wie sie in seiner Sozialfotografie die erschütternde Realität in den Fokus rücken lässt, so unterstützt sie hier den Eindruck, quasi in eine ursprüngliche Flora und Fauna zurückgeworfen zu sein.

In manchen Bildern – wie etwa den Wüsten- und Gebirgsaufnahmen – entsteht hierdurch ausserdem im Hinblick auf Fläche und Horizont, Licht und Schatten häufig der Eindruck der Verschmelzung von Medium und Motiv in dem zweidimensionalen Raum, den ein Foto vorgibt.

Die Bilder sind Dokument und Inszenierung, weil sie bei aller dargestellten Realität Ausdruck des perfekten Augenblicks sind. Die riesige Fluke des Südkaper-Wal, die neben dem Boot aufsteigt, die Rentierwanderung über den sibirischen Ob, der Blick eines Seelöwen auf den Galapagos-Inseln, das Sonnenlicht im Grand Canyon oder Stolz und Traditionsbewusstsein bei den Zo’é im brasilianischen Regenwald:

Alles ist wahr und dort, doch in allem ist auch der Augenblick der Flüchtigkeit erkennbar. Das ist vielleicht in dieser Bilderschau und bei aller Freude darüber, dass es diese Orte, diese Tiere, diese Menschen noch gibt das eigentliche Thema:

Es ist eine Illusion zu glauben, dass der Blick zurück, der Blick in einen Moment der „Genesis“, alleine die Schöpfung bewahrt. Vielmehr ist es vielleicht oft schon der letzte Blick zurück und vielleicht sind die Farben, die diese Welt einmal erfüllt haben auch nur zu Schwarzweiss verblasst.

Die Ausstellung „Sebastião Salgado – Genesis“ berührt und rüttelt wach. Auf dieser Welt ist eine Unendlichkeit an Leid und Ungerechtigkeit, die Menschen Menschen zufügen. Salgado hat dies sich und uns schonungslos offenbart. Bei aller Schönheit zeigt die Ausstellung im C/O nun die Endlichkeit dessen an dem wir so viel Freude und Erfüllung finden können wenn es uns nur bewusst wird.

„Sebastião Salgado – Genesis“, C/O Berlin, 18. April – 16. August, täglich 11 – 20 Uhr

Den großartigen und großformatigen Bildband „Genesis“ gibt es im TASCHEN Verlag (9783836542593)

Alle Fotos (c) Sebastião Salgado / Amazonas images

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