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Camille Henrot „The Pale Fox“ im Westfälischen Kunstverein in Münster

IMG_7599Der Blassfuchs ist ein einsames, ein gehetztes, rastloses Wesen, geschaffen von Amma aus der Unordnung, die Ogo war, der Ungeduldige. Ihm folgen die Menschen.

So erzählt es die Kosmologie der Dogon, einer westafrikanischen Volksgruppe.

Und davon erzählt Camille Henrot in der Ausstellung „The Pale Fox“, nach Stationen in London, Kopenhagen und Paris zurzeit und zum Abschluss zu sehen im Westfälischen Kunstverein in Münster.

Es ist narrative Erzählkunst in ihrer besten Art und Weise und sie will Großes, wie Niklas Maak (FAZ) in der April-Ausgabe der WELTKUNST zusammenfasst:

„Statt Referenzkunst, die sich auf Kunst bezieht, welche sich auch schon auf Kunst bezog: große Welterklärungsmodelle, aus Kunstwerken und anderen Objekten zusammengesetzt. Camille Henrot in Münster macht es derzeit vor.“

Der Rahmen, der Ort der zu beschreibenden Kosmologie ist ein dunkelblau gestrichener und mit einem dunkelblauen Teppich ausgekleideter Raum. Der Blick findet beim Eintritt zwei „Haltepunkte“ in der Vielfalt der sichtbaren, aber noch nicht wirklich deutbaren Objekte:IMG_7583

Das staunende Kind – die Muttergöttin – gleich zu Beginn: Hier ist der Ort für die Geburt, die Erschaffung der Welt und hier ist unser naives Staunen, die Erstmaligkeit jedes Blickes zu Beginn des Lebens.

Und ein Aluminiumband, das sich entlang der vier Wände schlängelt, mal Regal, mal Objekt, immer Leitfaden für die Geschichte, die hier erzählt wird.

Fotografien, Zeichnungen, Bronzeskulpturen, Artefakte unterschiedlichster Herkunft sind hier geordnet und in Zusammenhänge gesetzt. Jede Wand und damit jedes sie teilende Regal steht in diesem Raum nicht nur für eines der Urelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, sondern bildet mit seinen Objekten auch jeweils einen der vier menschlichen IMG_8038Phasen im Lebenszyklus ab.

Die mythologische Symbolik löst sich dabei im Verlauf auf, hin zu greifbaren Symbolen unserer Welt und Umwelt. In den elektronischen Bilderrahmen, den CDs, den Lexika, den Verpackungen, den Telefonen, den Magazinen, Anleitungen und Fotos erkennen wir die Merkmale und Wünsche unserer Zivilisation: Kommunikation, Automation, Funktionalität, Effektivität, Effizienz, Zuneigung, Fortpflanzung, Liebe, Stärke, Schutz…

Der ungeduldig rastlose Blassfuchs, der wir Menschen sind, versucht sich am Erkenntnisgewinn durch Ordnung. Kulturelle, philosophische und biologische Themenwelten sowie der Wunsch nach der alles erklärenden „Weltformel“, die sich hoffentlich aus den Zusammenhängen dieser Themen ergibt, liegen der OrdnIMG_7590ungswut zugrunde und Camille Henrots Installation gibt ihr ein Gesicht.

Am Ende klappt das „Regal“ gleichsam in den Ausstellungsraum und wird zum Symbol aufgeklappter Ordnerstrukturen wie wir sie vom Mac kennen.

Diese Ausstellung versucht tatsächlich nicht weniger als uns die Welt zu erklären bzw. uns zu erklären, warum wir sie uns so gestalten wie wir es eben tun.

Indem Henrot diese Weltwerdung ausgehend von der Mythologie der Erd- und Menschwerdung der Dogon aus dem (Ur)ei erzählt, schafft sie nicht nur einen gleichsam beruhigenden (vielleicht weil greifbareren) Kontrast zu der uns vertrauteren, christlichen Schöpfungsgeschichte. Ihr Thema der Dualität von Unordnung und Ordnung und der daraus resultierenden Ordnungssuche und -sucht des Menschen lässt sich darüber hinaus nicht vortrefflicher transportieren als eben hierdurch.IMG_7568

Bei aller Sammelwut, die sich in den zahlreichen Fotos und – zum Teil bei eBay ersteigerten Artefakten – spiegelt sei ein besonderes Augenmerk auf die Bronze- und IMG_7596Keramikskulpturen der Ausstellung gerichtet. Der erste Samen, die Kühe, das Huhnei (oder Eihuhn?): über die Fähigkeit der Künstlerin der „Welterklärung“ hinaus, zeigen sie auch das handwerkliche Können Camille Henrots.

Begleitet und im besten Sinne eingeleitet wird die Ausstellung durch das Video „Grosse Fatigue“ (Müdigkeit), mit dem Henrot 2013 den Silbernen Bären auf der Venedig Biennale gewann, das in seiner Form eine Schöpfungsgeschichte des Universums erzählt und dabei die Grenzen des Erkenntnisgewinns durch IMG_7965Ordnung und Sammlung aufzeigt, die sich bei aller Mühe und Akribie ergeben. Am Ende bleibt, so beschreibt es die Künstlerin, die ewig bohrende Frage: Was ist dahinter? die uns doch weitersuchen lassen muss.

Ein großer Auftritt!

Camille Henrot „The Pale Fox“ und das begleitende Video „Grosse Fatigue“, noch bis zum 10.Mai im Westfälischen Kunstverein, Di. – So. 11 – 19 Uhr.

Gegen eine Spende gibt es an der Kasse diesen Turnbeutel mit dem Motiv des Blassfuches als bleibende Erinnerung an „The Pale Fox“.IMG_7609

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