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Crajes „INSANIA“ in der FB69 Galerie in Münster

Mit den Bildern ihrer Ausstellung „INSANIA“ stellt das Künstlerduo Crajes Fragen nach dem emotionalen Zustand des Menschen in einer überfordernden Umwelt.

IMG_8451Wo die Ansprüche an den Grad der Perfektion steigen, wo einerseits Individualität gefragt, Anpassungsfähigkeit andererseits aber gewollt ist, heißt es sich zu vergewissern: „Kannst du atmen?“, „Bist du fröhlich?“, „Bist du traurig?“, „Fühlst du dich komplett?“.IMG_8467

Mit den Titeln ihrer Ölbilder und Mischtechniken stellen Carla Rendon und Jessica Ruiz Fragen. Die emotionalen, bisweilen verstörenden Motive sind deren Ausgangspunkte. Es sind weibliche Gesichter mit großen Augen, umrahmt von langen Wimpern, mit langem, dunklem Haar, sinnlich roten Mündern und einem ebenmässigen Teint – Perfektion in Definition. Und bei aller Perfektion sind sie doch vor allem „beschädigt“. Sie bluten, haben hier offene Wunden am Körper, dort eine große, genähte Narbe auf der Brust. Sie weinen, schauen irritiert, bisweilen auch verängstigt. In einem Fall ist es gar nur ein Skelett, durchbohrt von Pfeilen und mit einem nutzlosen Pflaster am Arm, dessen leere Augenhöhlen uns anstarren.

IMG_8472Die Augen in „INSANIA“ schauen uns an und fragen: Wieviel mehr muss ich noch leisten?, bin ich nicht schon perfekt?, wer bin ich?, bin ich verrückt?. Crajes haben den – vermeintlich aussichtslosen – Kampf Individuum gegen Gesellschaft oder Individualität gegen Konformismus zum Thema gewählt und belegen mit ihren Bildern auf kraftvolle, ironische Weise, dass es möglich ist ihn sichtbar und zugänglich zu bannen.

Das Thema „Madness“ findet aggressiv zugespitzt seinen Ausdruck im Bild „we are all mad here“, auf dem zwei gleichsam schwebende, mit Schnüren Rücken an Rücken gefesselte, die Pfoten ausstreckende und in die Weite blickende IMG_8464Nacktkatzen (die Katzen der Künstlerinnen) abgebildet sind, von deren Körpern sich vereinzelt Blutstropfen lösen. Am Boden, gebettet in Rosen zwei PEZ-Figuren. Gegenstand der Darstellung ist hier die „Verrücktheit“ einer urspanischen Tradition, bei der streunende Katzen aufgehängt und wie eine Pinata geschlagen und schließlich getötet werden. Die lebendige Kreation ist nichts Wert im Vergleich zu den menschengeschaffenen Animationen und Figuren, deren beispielhaftes Abbild die PEZ-Spender sind.

Crajes trauen sich auf provokante und provozierende Weise auf diese durch den Stempel der „Tradition“ gesellschaftlich gerechtfertigte Grausamkeit aufmerksam zIMG_8446u machen. Und auch wenn es hier Tiere sind, so lässt sich am Verhalten ihnen gegenüber eben doch auch ein Malus im zwischenmenschlichen ablesen.

Die Werke dieser ersten Soloausstellung in Deutschland sind im Laufe des vergangenen Jahres zum Thema entstanden und hier erstmals zu sehen. Sie sind dabei wohl auch als bisheriger Höhepunkt eines multidisziplinären Werkkomplexes zu verstehen. Haben die beiden ihre Arbeit als Künstlerduo mit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 begonnen – nicht zuletzt auch als Ausweg aus den dadurch resultierenden Gegebenheiten des Arbeitsmarktes – so ist in „INSANIA“ in jedem Blick und in jeder Verwundung auch die Unsicherheit und Verzweiflung junger Spanier, junger Menschen allgemein zu sehen, die (noch heute) unter den Folgen der Krise leiden. Carla Rendon und Jessica Ruiz haben Philosophie bzw. Psychologie studiert und es lässt sich erkennen, wie sehr diese „Vorarbeit“ die künstlerische Ausdruckskraft unterstützt.

IMG_8456Auch wenn der Entstehungsprozess der einzelnen Werke am Ende keine Zuordnung zu einer der Künstlerinnen mehr möglich macht und somit die Frage wer was macht nicht nur unnötig, sondern nicht zu beantworten ist – eines haben die beiden dennoch verraten: Dem Werk voraus gehen intensive Diskussionen zu den Themen und zahlreiche Vorzeichnungen kumulieren schließlich in dem gemeinsamen Bild. Auch hier löst sich also die Individualität in der Gemeinschaft auf, allerdings zu einem guten, einem höheren Ziel und ganz ohne Zwang.

IMG_8465

Die Ausstellung „INSANIA“ des Künstlerduos läuft bis zum 04IMG_8476.07. in der Galerie FB69 von Kolja Steinrötter, Prinzipalmarkt 32, 48143 Münster und kann Mittwochs bis Freitags von 12 – 18 Uhr und Samstags von 10 – 14:30 Uhr besichtigt werden.

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